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Die Kunst der Infamie

Vom Sängerkrieg zum Medienkrieg

Hubertus Fischer

Ist Infamie eine Kunst? Dieser Band beweist es. Affizierbar durch die Infamie ist so gut wie jede Textsorte oder Gattung: Sang, Spiel, Theaterstück, Kampfschrift, Wissenschaftsprosa, Erzählung. In einem Streifzug durch acht Jahrhunderte spüren die Autoren vielfältige Formen der infamia auf – angefangen bei Walther von der Vogelweide, wo infames Sprachspiel zum poetischen Ereignis wird, bis zum Medium Fernsehen, das im medialen Autismus der Spaßgesellschaft eine sehr moderne Form der Infamie zu präsentieren scheint. Antijüdisches in den Fastnachtspielen von Hans Folz im Vergleich mit R.W. Fassbinders skandalträchtigem Stück Der Müll, die Stadt und der Tod, das Regelhafte personaler Herabwürdigung in reformatorischen und gegenreformatorischen Schriften, die Abwertung der Slawen bei Ernst Moritz Arndt und A.W. Schlegel sowie verschiedenste Kennzeichen von Infamie in Wilhelm Meinholds Erzählung Die Bernsteinhexe sind weitere Stationen auf dem Weg vom Sängerkrieg zum Medienkrieg, in denen Infamie zur «Kunst» avanciert.
Aus dem Inhalt: Hubertus Fischer: Einführung – Hubertus Fischer: Reinmar Balbulus oder die Kunst der Infamie - Anmerkungen zu Walthers Schachlied mit einem Ausblick auf die Battlekultur – Maria E. Müller: Infame Rituale - Zu den antijüdischen Fasnachtsspielen von Hans Folz und Rainer Werner Fassbinders Der Müll, die Stadt und der Tod – Claus Ahlzweig: Luthers Wider Hans Worst - eine infame Wortwahl? – Dorota Masiakowska: Die Infamie der Diffamie - Zur Abwertung der Slawen bei Ernst Moritz Arndt und August Wilhelm Schlegel – Bernadetta Matuszak-Loose: Infame Handlung wird bestraft - Zu Wilhelm Meinholds Roman Maria Schweidler, die Bernsteinhexe – Wolfgang Sauer: Zwischenruf - Was ist «infam»? – Adi Grewenig: Vom «Kollateralschaden Pressefreit» zum «Quizobjekt» - Ansichten zum Kosovokrieg in Jahresrückblicksendungen 1999.