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Translatio und Memoria

Zur Poetik der Memoria des «Prosa Lancelot»

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Nikola von Merveldt

Der Prosa Lancelot gehört zu den umfangreichsten Erzählunternehmen des Mittelalters: In verschachtelten Handlungssträngen verbindet er die Chronik des Artusreiches mit der Geschichte vom Gral und Lancelots Biographie zu einem faszinierend-verwirrenden Ganzen. Dieser Totalitätsanspruch hat dem Prosazyklus die Bezeichnung «Enzyklopädie» und «Summa» der Artusliteratur eingebracht. Die Untersuchung betont dagegen aus komparatistisch erweiterter Perspektive die spezifisch erzählerische Gedächtnisleistung des Lancelot, der
kulturelles Wissen narrativ integriert und in sinnstiftende Zusammenhänge stellt. Das kulturwissenschaftliche Paradigma der Memoria gewährt neue Einblicke in die komplexen Erzählstrukturen, die sich programmatisch jeder Eindeutigkeit versagen. Die Handschriftenvarianten der deutsch-französischen Überlieferung werden somit zu beredten Zeugen für den kritischen Prozeß des Auserzählens, der über 300 Jahre nicht abbricht.
Aus dem Inhalt: Erzähltechniken des Prosaromans – Entrelacement als Erzähltechnik im Spannungsfeld von Erinnern und Vergessen – Amplificatio als Paradigma spätmittelalterlichen Erzählens – Intertextualität im Prosaroman – Gattungsspezifische Memoria-Leistungen – Kulturelles und erzählerisches Gedächtnis – Überlieferungs- und Rezeptionsgeschichte des Lancelot in Deutschland und Frankreich – Funktionalisierung von Paratexten – Text-Bild-Relationen in Bilderhandschriften.