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Literarische Autonomie und intellektuelles Engagement

Der Beitrag der französischen und italienischen Literatur zur europäischen Geschichte (15.-20. Jh.)- Festschrift für Dirk Hoeges zum 60. Geburtstag

Christina Rohwetter, Marita Slavuljica and Heiner Wittmann

Wie kann die Literatur einen Beitrag zur Geschichte leisten, ohne ihre ästhetische Autonomie preiszugeben? Diese Frage bildet den verbindenden Leitgedanken der Aufsätze in dieser Festschrift für Dirk Hoeges. Sie versammelt Beiträge seiner Schüler, in denen das Verhältnis des Dichters, des Intellektuellen, des homme de lettres zur Politik, zum Zeitgeschehen und zur Geschichte reflektiert wird. Diese literatur- und kulturwissenschaftliche Perspektive profiliert auch die romanistischen Arbeiten von Dirk Hoeges. Die Festschrift zielt auf Darstellung und Analyse der komplexen Verbindungen von Kunst und Gesellschaft, Literatur und Politik, Ästhetik und Geschichte. Am Beispiel herausragender Repräsentanten entscheidender Epochen französischer und italienischer Literaturgeschichte wird gezeigt, dass diese Reziprozität ein kultur- und gesellschaftsbildendes Element der europäischen Geschichte ist. Von Bernardo Machiavelli, Vater des berühmten Niccolò, über Luigi Alamanni, La Rochefoucauld und La Bruyère, Condorcet, Chateaubriand, Brunetière, Casanova, Charles de Villers, Balzac, Achille Murat, Vincenzo Gioberti, Tomasi di Lampedusa, Jacques Maritain bis zu Sartre und Camus wird in diesem Band ein vielfältiges literarisches und intellektuelles Panorama vom Renaissance-Humanismus bis zur Intellektuellen-Debatte des 20. Jahrhunderts eröffnet.
Aus dem Inhalt: Catherine Atkinson: «Giorno per giorno» oder: Wie man in aller Ruhe «Buch führt» über die Wechselfälle des Lebens. Das Tagebuch des Bernardo Machiavelli im Quattrocento-Florenz – Elisabeth Frege: Luigi Alamanni im Kampf mit Fortuna – Eva Regtmeier: Das zweite Gesicht. Zur Funktionalisierung der «dissimulation» in der höfischen Gesellschaft des Ancien Régime – Heiner Wittmann: Condorcet und die Französische Revolution – Johannes Regenbrecht: Die Französische Revolution als Sternstunde des Historikers: Revolutionskritik und Geschichtsschreibung bei François-René de Chateaubriand – Andreas Gipper: Ferdinand Brunetière: Die Literaturkritik des Fin de siècle und die Autonomie des literarischen Feldes – Marita Slavuljica: Eine Frage des Stils: Casanova und die Französische Revolution – Ingrid Rademacher: Magnetismus und Imagination. Charles de Villers’ philosophischer Roman Le Magnétiseur amoureux – Christina Rohwetter: «Der Geschichte ins lebendige Fleisch dringen»: Literatur, Magie und Geschichte in Balzacs Trilogie Sur Catherine de Médicis – Paul Reiter: Achille Murat: Funktionalisierte Massenbildung und das solitäre literarische Subjekt unter dem Damoklesschwert der ‘opinion publique’ in einer ökonomisch-utilitaristisch orientierten Arbeitsgesellschaft – Christiane Liermann: Die Begründung der Nation: Italien – Regina Krieger: Die Mafia in Donnafugata: Literatur und Politik in Lampedusas Gattopardo – Andreas Verhülsdonk: Jacques Maritain - oder was ist ein katholischer Intellektueller? – Maike Buß: Intellektuelle und Politik. Deutsch-französische Lernprozesse im 20. Jahrhundert.