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Das lyrische Du

Funktionen und Variationen einer poetischen Sprechsituation

Brigitta Coenen-Mennemeier

In vielen Gedichten wendet sich der Sprecher an ein gedachtes Gegenüber, das in Analogie zum lyrischen Ich als lyrisches Du bezeichnet werden soll. Der Hauptteil der Untersuchung erstellt eine Typologie der wichtigsten Adressaten. Im Zentrum des behandelten Textkorpus steht die französische Lyriktradition. Bei der Konzeption des Du weist sie einen zunehmenden Verzicht auf den effet de réel und eine wachsende Verrätselung auf. Exemplarisch manifestiert sich dieser Wandel in der neuartigen Musenkonzeption von Baudelaire, Mallarmé, Bonnefoy. Die Einbeziehung deutscher und englischer Gedichte dient dem Nachweis von Vorkommensdichte und Facettenreichtum der untersuchten Sprechsituation und will darüber hinaus zu Vergleichen anregen (z.B. Carpe diem von Ronsard bis Yeats; Selbstgespräch bei Villon, Rimbaud, Gottfried Benn; Geliebtenpreis von Louise Labé bis Shakespeare; Totenklage bei Victor Hugo, Friedrich Rückert, Ted Hughes).
Aus dem Inhalt: Adressaten der Vers de Circonstance (z.B. Künstlerkollegen bei Mallarmé) – Adressaten des lyrischen Ich: Gott, Natur, die Menschheit, das Selbst, Freunde und Geliebte, Verstorbene, der Tod, die Musen – Umbau der Sprechsituation: das Du als zweiter Sprecher im Dialoggedicht und als lyrisches Ich in einem Sonderfall des Rollengedichts.