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Der Literaturwissenschaftler Heinz Stolte (1914-1992)

Leben, Werk und Wirkung

Renate Stolte-Batta

Heinz Stolte (1914-1992) war Professor für Literaturwissenschaft in Jena (1946-1949), an der Humboldt-Universität zu Berlin (1949-1950) und für Literaturdidaktik in Hamburg (1957-1976). Als «bürgerlicher» Germanist wurde er 1950 in Berlin nach einer politischen Intrige, die durch Archivmaterial belegt ist, ausgegrenzt. Auf die Flucht folgte ein Neuanfang. Seine Biographie zeigt deutlich die enge Verzahnung von Politik und Wissenschaft. Während der NS-Zeit schrieb er 1936 eine viel beachtete Dissertation über Karl May. 1937 trat er aus der SA aus. Heinz Stolte wurde als Soldat an der Ostfront in Russland im Stabsdienst und in einer Propagandakompanie eingesetzt (1941-1944). Aus dieser Zeit sind zahlreiche Feldpostbriefe und weitere Texte ausgewertet. 1941 wurde er zu Probevorlesungen nach Jena und 1942 zur Teilnahme an einer Tagung «Arbeitslager für Germanisten» in Seefeld beurlaubt. Gesucht wird in dieser Biographie nach Kontinuitäten in Person und Werk des Interpreten sehr verschiedener Dichter wie Hebbel, M. Claudius, Raabe, Hesse, Liliencron, R. Huch, Goethe oder May. Stoltes bevorzugte Textform war der literaturwissenschaftliche Essay. Dabei zeichnete er sich durch eine offene Methodik aus, orientiert an Dilthey. Ab 1936 unterhielt er Briefwechsel, z. B. mit Lion Feuchtwanger, Thomas Mann oder Karl Popper.
Aus dem Inhalt: In Jena während zweier Diktaturen – Umfeld und Wirken – Gescheiterter Einsatz für Expressionismus-Archiv (Jena 1945) und Rilke-Archiv (Weimar 1947) – Kulturbund – Berufungs- und Vernichtungspraxis 1949-50 in Berlin (Ost) – Vergleich mit Hans Mayer – Produktive Reifephase in Hamburg – Politischer Standort und Arbeit in der Dänisch-Deutschen Akademie, Motivation und Forschung in Hebbel- und Karl-May-Gesellschaft sowie als Verehrer Schopenhauers in der Constantin-Brunner-Stiftung; jeweils im Vorstand.