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Die Medialität des Traumas

Eine Archäologie der Gegenwartskultur

Ralph Köhnen and Sebastian Scholz

Der Traumabegriff hat einen medizinischen Ursprung: Somatisch bezeichnet er die Verletzung, psychologisch diejenige negative Extremerfahrung, bei der anflutende Reize nicht mehr adäquat verarbeitet werden können und unauslöschlich im Gedächtnis wirken. Dies betrifft nicht nur individuelle, sondern ebenso kollektive und transgenerationelle Traumatisierungen. In den kulturwissenschaftlichen Debatten ist allerdings bislang zu wenig berücksichtigt worden, dass das Trauma auch zum Material produktiver Prozesse werden kann, die ästhetischen Eigenwert und mediale Relevanz aufweisen. Diese Aspekte sollen hier im Begriff der Medialität ebenso gebündelt werden wie Fragen nach komplexen sozialen Institutionen, symbolischen Ausdruckssystemen und politischen Praktiken, die sowohl technische als auch nichttechnische Medien umfassen – Prozesse der Mitteilung, in denen sich das eigentlich nicht Mitteilbare der traumatischen Erfahrung äußert.
Aus dem Inhalt: Ralph Köhnen/Sebastian Scholz: Diskursbestimmungen des Traumas – Ruth Jasper: Der Traum als Trauma - Goyas Blick auf die Schattenseiten der Vernunft im Zeitalter des Lichts – Markus Tillmann: Der Schriftsteller als universeller Produzent. Daniel Paul Schrebers Denkwürdigkeiten eines Nervenkranken – Thomas Wyrwich: Der Traum des Doktor Hacker. Zu Jakob van Hoddis’ literarischer Auseinandersetzung mit der ‘weißen Wirklichkeit’ – Jin Jeon: Trauma, Kinematografie und Gottfried Benns Gehirne-Novellen. Der ‘Mensch’ in den Medien – Lennart Koch: Trauma und Kunst: Guernica – Fabian Lettow: Poetik des Mals: Das Trauma in Paul Celans Theorie des Gedichts – Benedikt Jeßing: Auschwitz im Drama. Zum Umgang mit einem nationalen Trauma in Peter Weiss‘ Die Ermittlung – Kathrin Horster: Bilder vom amerikanischen Traum(a). Andy Warhols Krisenmalerei – Jörg Eggerts: «Die Ruhe auf dem Lande ist oft stille Wut» - Dystopie und Trauma des wendländischen Autors Nicolas Born – Barbara Schmenk: Entropie der Archive. Todesarten in Max Frischs Der Mensch erscheint im Holozän – Ralph Köhnen: Terror und Spiel in einer Diktatur. Herta Müllers autofiktionaler Impuls – Susanne Knoche: Generationsübergreifende Erinnerung und der Holocaust II. Die Tochter von Maxim Biller – Sebastian Kirsch: Trauma und Architektur: Zur Überbauung von Ground Zero – Sebastian Scholz: «Wonders of an Unseen World»: Blickregime, pornografische Repräsentationsräume und die Undarstellbarkeit weiblicher Lust.