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Vergessene Texte – Verstellte Blicke

Neue Perspektiven der Wickram-Forschung

Maria E. Müller and Michael Mecklenburg

Jörg Wickram aus Colmar zählt zu den vielseitigsten deutschsprachigen Autoren des 16. Jahrhunderts. Er prägte medienübergreifend den städtischen Literaturbetrieb, inszenierte eigene und fremde Dramen, gründete die Meistersingergesellschaft seiner Heimatstadt und wagte sich als nicht gelehrter Dichter an die Bearbeitung von Ovids Metamorphosen, die er selbst illustrierte. Das bisherige Forschungsinteresse galt vorrangig seinen Erzählformen, insbesondere seinen späteren Prosaromanen, in denen er gattungsästhetisches Neuland betrat: Er verlieh der Lebenswelt von Bürgern und Bauern literarische Dignität und entfaltete Vorformen poetologischer Reflexion. Über die Weiterführung narratologischer Analysen zum Romanwerk hinaus erschließt der Band erstmals das Gesamtwerk Wickrams in seiner Vielgestaltigkeit literarischer Genres, Aufführungsformen und Bilderwelten. Durch die Einbeziehung kultur- und kunstwissenschaftlicher, performanz- und gender-theoretischer Ansätze werden neue Perspektiven eröffnet.
Aus dem Inhalt: Maria E. Müller: Einleitung – Jan-Dirk Müller: Wickram - ein Humanist? – Jutta Eming: Die performativen Anfänge. Georg Wickrams Kleine Spiele – Michael Mecklenburg: Mildernde Umstände? Didaxe und Figurengestaltung im Knabenspiegel und im Knabenspiegel-Spiel – Werner Röcke: Protestantismus und ‘episches Theater’. Jörg Wickrams biblisches Drama Tobias – Elisabeth Wåghäll Nivre: Georg Wickrams Überlegungen zur Schreibkunst – Maria E. Müller: Von der Imagination zur Invention. Wickrams Losbuch als Wendepunkt seiner kunstliterarischen Laufbahn – Lena Behmenburg: Dieweil ir swester was sein weib. Zur Bedrohung der familiären Ordnung in Georg Wickrams Philomela – Andrea Sieber: Transgressionen des Begehrens in Wickrams Metamorphosen-Bearbeitung – Anna Schreurs: Ein selbgewachsner Moler illustriert die Malerbibel. Wickrams Holzschnitte zu Ovids Metamorphosen – Wolfgang Neuber: Prekäre Theologie. Textsemantik und Bildsemantisierung am Beispiel von Wickrams erstem Bild seiner Metamorphosen – Hubertus Fischer: Wickrams Bilderwelt. Vorläufige Bemerkungen – Hannes Kästner: Garten-Bilder. Illustration und narrative Visualisierung in Georg Wickrams Der irr reitende Pilger (1555) – Simon Zeisberg: Der sündige Raum. Topopoetik und Ontologie bei Georg Wickram – Martin Baisch: Jörg Wickram begegnet sich selbst. Autorschaft, Wissen und Wiederholung im Irr reitenden Pilger – Dieter Kartschoke: Die Siben Hauptlaster. Wickrams langweiligstes Buch? – Hans-Gert Roloff: Typologie der epischen Figuren Wickrams vor dem Hintergrund ihrer Zeit – Gerhard Wolf: Gattungsvermischung in Wickrams Von Gůten und Bösen Nachbaurn – Manuel Braun: Wickrams Verbrechensgeschichten oder: die andere Aventiure – Armin Schulz: Liebe und Wahrheit. Jörg Wickrams Gabriotto und Reinhart – Ursula Kocher: des halben er im entlich für nam / der junckfrawen zů schreiben. Zur narratologischen Funktion der Briefe in Wickrams Romanen – Harald Haferland: Gibt es einen Erzähler bei Wickram? Zu den Anfängen modernen Fiktionsbewusstseins. Mit einem Exkurs: Epistemische Zäsur, Paratexte und die Autor/Erzähler-Unterscheidung.