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Flugblätter von der frühen Neuzeit bis zur Gegenwart als kulturhistorische Quellen und bibliothekarische Sondermaterialien

Christiane Caemmerer, Jörg Jungmayr and Eef Overgaauw

Ein Flugblatt ist in der landläufigen Vorstellung ein Wegwerfprodukt mit raschem Verfallsdatum. Dementsprechend wurde es auch in der Literaturwissenschaft lange Zeit als Gegenstand von marginaler Bedeutung behandelt. Erst in den letzten beiden Jahrzehnten hat sich hier im Zuge der interdisziplär ausgerichteten medienhistorischen Forschung ein Paradigmenwechsel vollzogen. Wir sehen heute, dass das Flugblatt in seiner Verschränkung von Wort und Bild keineswegs ein simples Produkt, sondern ein komplex gestaltetes und effizient wirkendes Konstrukt ist. Nicht nur in der frühen Neuzeit war das Flugblatt ein beliebtes, weil schnell und flexibel einsetzbares Medium zur Information und Propaganda – auch im Zeitalter der elektronischen Informationstechnologie ist es ein unverzichtbares Instrument zur öffentlichen Meinungsbildung geblieben. Der Band zeigt in der Kooperation von Bibliotheks- und Literaturwissenschaft unterschiedliche Stadien in der Entwicklung des Flugblatts auf und diskutiert die Möglichkeiten zur Inventarisierung, Digitalisierung und inhaltlicher Erschließung dieses Mediums.
Inhalt: Christiane Caemmerer/Jörg Jungmayr/Eef Overgaauw: Zu diesem Band – John Roger Paas: Die Verbreitung wundersamer Neuigkeiten in der Frühen Neuzeit: Flugblätter über den sonderbaren tatarischen Bogenschützen von 1664 – Florent Gabaude: «Pompa barroca»: Rhetorik der Umzüge in deutschen und französischen illustrierten Flugblättern des 17. Jahrhunderts – David Paisey: New Year begging broadsides from Nuremberg: a collection in the British Library – Thomas Stäcker: Frühneuzeitliche Einblattdrucke: Was kann die Digitalisierung bieten? – Michaela Hammerl: Erschließung und Digitalisierung frühneuzeitlicher Einblattdrucke an der Bayerischen Staatsbibliothek München – Carola Pohlmann: «Allerlei für gute Kinder»: Bilderbogen und ihre Bedeutung für die Kinderkultur im 19. Jahrhundert – Heidemarie Anderlik: Schaufenster Museum: Wissenschaftliche Erfassung und Popularisierung von Flugschriften des 19. Jahrhunderts – Wilhelm R. Schmidt: «1848 - Flugschriften im Netz»: Materialien zur Revolution von 1848 in der Universitätsbibliothek J.C. Senckenberg in Frankfurt am Main – Gertrude Cepl-Kaufmann: Zum kulturellen Stellenwert von Theaterzetteln – Hubert van den Berg: Das Manifest als Einblattdruck in der ästhetischen Praxis der italienischen Futuristen – Christiane Caemmerer: Europäische Geschichte auf einem Blatt: Die Feindflugblattsammlung der Staatsbibliothek zu Berlin und ihre Erschließung – Annemieke van Bockxmeer: Sammeln und interpretieren: Flugblätter aus dem Zweiten Weltkrieg als Quelle der zeitgenössischen Geschichtsschreibung – Stephan Roth/Herbert Exenberger: Die «Illegale Flugblattsammlung» des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes (DÖW) – Jörg Jungmayr: Deutsche Autoren im Dienste der Amerikaner: Die Flugblätter von Klaus Mann – Tomasz Szarota: Britische Flugblätter im Zweiten Weltkrieg als Warnung vor Vergeltung und Luftangriffen auf Deutschland – Walter Delabar: «Burn, ware-house, burn!»: Zu den Flugblättern der Kommune I.