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Ideen und Bilder von Gemeinschaftlichkeit in Ost und West

Christa Ebert and Brigitte Sändig

Die Entfaltung der Individualität ist der Fokus, der die Geschichte der Moderne bestimmt. Dass die Befreiung des Menschen auch in einer spannungsvollen Auseinandersetzung des Einzelnen mit der sozialen Gemeinschaft erfolgt, gehört zu den «ewigen» Fragen im Denken der Neuzeit. Gegenwärtig sind durch den Zusammenbruch des Realsozialismus und der sozialistischen Großutopien Ideen von Gemeinschaftlichkeit weitgehend diskreditiert, wohingegen sich neoliberalistische Gesellschaftskonzepte durchzusetzen scheinen. Doch lebenspraktische Bedürfnisse, die durch theoretische Reflexion gestützt werden, stehen diesem Trend entgegen. Die Beiträger des Bandes versuchen aus dem Blickwinkel unterschiedlicher Disziplinen und Literaturen ein solches Bemühen um tragfähige Formen von Gemeinschaft nachzuzeichnen und zu analysieren.
Aus dem Inhalt: Brigitte Sändig: Zur Einführung: Welches «Wir» ist gemeint? – Bozena Choluj: Europa als Wille und Vorstellung. Zu einer besonderen Konvergenz von Europa-Ideen polnischer und deutscher Intellektueller – Timo Obergöker: Iberische Gemeinschaft als Utopie. Jorge Saramagos A Jangada de Pedra – Jutta Scherrer: Das Russische und das «Andere»: Die ideologische Funktion der Idee der sobornost’ – Maria Smyshliaeva: Diskurs über die «Russische Idee» in der Post-Perestroika-Literatur – Helmut Peitsch: «Blut kittet» (Bruno Apitz): Veröffentlichungen letzter Briefe von Widerstandskämpfern als «Märtyrer einer neuen Ordnung» in Ost- und Westdeutschland zwischen 1945 und 1961 – Brigitte Sändig: Einsam und gemeinsam, beides im Extrem. Die «freien Menschen» des Georges Bernanos – Timo Obergöker: Sprachlosigkeit und Verständigung in zwei Banlieue-Filmen: La Haine von Mathieu Kassovitz (1995) und L’Esquive von Abdellatif Kechiche (2004) – Justyna Gorny: «Die Solidarität des Geschlechts». Die Literaturkritik zur Prosa von Zofia Nałkowska (1884-1954) – Malgorzata Trebisz: Rohinton Mistrys Welt von Schneidern und Bettlern. Die Darstellung der traditionellen Auffassung der Gemeinschaftlichkeit und der Versuche ihrer Veränderung in Indien anhand von Rohinton Mistrys Roman Das Gleichgewicht der Welt (1995) – Christa Ebert: Die Glücklichen (?). Familie als Gemeinschaftsutopie in der Prosa von Ljudmila Ulitzkaja.