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Defizite der Zweiquellentheorie

Albert Fuchs

Seit mehr als hundert Jahren wird die Lösung der Synoptischen Frage hauptsächlich im System der Zweiquellentheorie gesehen, dergemäß die Evangelisten Matthäus (Mt) und Lukas (Lk) das kanonische Markusevangelium (MkEv) als Grundlage verwenden, in die sie die Logienquelle Q auf verschiedene Weise einarbeiten. Dieses grobe Modell wird aber den über tausend großen und kleinen parallelen Übereinstimmungen des Mt und Lk gegenüber Markus (Mk) nicht gerecht, die darauf hinweisen, daß das MkEv bereits vor ihnen sprachlich überarbeitet und durch verschiedene Stoffe, vor allem Logien, erweitert wurde. Dementsprechend ist diese Zweitauflage – und nicht Mk – die Grundlage für Mt und Lk. Und auch bereits Deuteromarkus hat einen Teil des Q-Stoffes verwendet, sodaß dieser nicht als einheitliches Dokument verstanden werden kann. Die Entwicklungsgeschichte der Synoptiker muß somit stark revidiert werden und führt zu einem differenzierteren Einblick in die frühchristliche Geschichte.
Aus dem Inhalt: Die Zweiquellentheorie bringt die Entstehung der synoptischen Evangelien nur unzulänglich zum Ausdruck – Das kanonische MkEv sprachlich überarbeitet und hauptsächlich durch Einschübe von Logien erweitert – Zweitauflage des MkEv ist die Grundlage für Mt und Lk.