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Robert Walsers «mühseligkeitenüberschüttetes Kunststück»

Eine Strukturanalyse des «Räuber»-Romans

Thomas Bürgi

Robert Walsers «Räuber»-Roman ist rätselhaft, ja abgründig. Walsers letzter und zu seinen Lebzeiten unveröffentlichter Roman, entworfen in einer kaum mehr entzifferbaren Bleistift-Kleinschrift, scheint sich jeglichem Versuch der Entschlüsselung zu widersetzen. Das Verfassen seiner «Prosastückli» erlebte Walser zunehmend als Demütigung, als Versagen vor sich und seinem Publikum. Im «Räuber»-Roman unterwirft er alle ihm zur Verfügung stehenden Techniken und Tricks dem Ziel, noch einmal zur Gattung Roman zurückzufinden. Indem er seinem gefährdeten Ich-Erzähler einen schriftstellernden Erlebnis-Aufsucher, den Räuber, zur Seite stellt und das drohende Scheitern zum allgegenwärtigen Thema seines Romans macht, gelingt ihm sein «mühseligkeitenüberschüttetes Kunststück». Die Untersuchung deckt auf, dass der «Räuber»-Roman Robert Walsers eigentliches Schlüsselwerk darstellt, das kunstvoll-beredt von den Legitimationsproblemen und Existenznöten seines Autors handelt. Der Ich-Erzähler und der Räuber, die Stoffe und Menschen ausbeuten, berauben schreibend sich selber.
Aus dem Inhalt: U.a. Der unentzifferbare Roman aus der Schuhschachtel - Lächelnde Selbstbespöttelung - Ein abgründiges Verwirrspiel - Kunstvoll verfremdete Ohnmachtsgesten - Ich und Er - Fatale Strategien.