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Der Mythos der Kultur

Essay einer materialistischen Kulturphilosophie

Gustavo Bueno Martinez

Ausgehend von Ansätzen deutscher Philosophen entstand im 19. Jahrhundert die Idee der Kultur und gewann bis gegen Ende des 20. Jahrhunderts zunehmend an Bedeutung. In den unterschiedlichsten Gesellschaften christlicher Tradition hat die Idee der Kultur die Rolle einer Idée-force inne, mit Hilfe derer praktische und spirituelle Wirklichkeiten wie Mensch, Freiheit oder Nation definiert werden. Das Ideal des Kulturstaates hat heute mehr Prestige als das des Rechtsstaates oder des Wohlfahrtsstaates. In den entsprechenden Verfassungen sind als wesentliche Staatsaufgaben die Förderung der Nationalkultur und die Verpflichtung, allen Bürgern den Zugang zur Kultur zu ermöglichen, verankert.
Doch was beinhaltet eigentlich der Begriff Kultur? Bei einer genaueren Untersuchung stellt sich die aktuelle Idee der Kultur als höchst verworren heraus, als ein obskurantistischer Mythos. Die vorliegende Studie setzt sich nicht nur zum Ziel, den Mythos-Charakter dieser Idee aufzudecken, sondern beabsichtigt gleichzeitig eine präzise Analyse ihrer Entstehung, Struktur und Funktion durchzuführen, um die Idee der Kultur endlich kritisch «aufzuklären».
Aus dem Inhalt: Die objektuale Idee der Kultur: Entstehung (Analogie «Reich der Gnade» und «Reich der Kultur») – Geburt, Reifung (in der deutschen Philosophie) – Die Idee der Kultur als wissenschaftliches Forschungsfeld – Die Idee der Kultur als praktische Idee – Organische Einheit, Kulturkategorien – «Kulturelle Identität» – Objektive Kulturen als morphodynamische Systeme.