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Der Tod in der Propaganda

(Sowjetunion und Volksrepublik Polen)

Daniel Weiss

Der unterschiedliche Umgang mit dem Tod der Eigenen und der Gegner wird über die einzelnen propagandistischen Kodes Sprache, Bild (im Plakat), Film, Bildende Künste und (Bestattungs-) Ritual sowie über verschiedene Zeiträume hinweg verfolgt. Ins Bild rückt also einerseits das Zusammenspiel unterschiedlicher Medien im Rahmen des einen semiotischen «Gesamtkunstwerks» Propaganda, andererseits dessen historischer Wandel im Realen Sozialismus. Besonderes Augenmerk gilt der Abgrenzung von Freund und Feind in den einzelnen Kodes, der Beschwörung von Kontinuität beim Ableben eigener Leader, der Widerspiegelung von deren hierarchischer Rangordnung, der verbalen und bildlichen Umsetzung von Emotionen wie Trauer, Entsetzen, Hass, Todesverachtung; daneben kommen auch tagespolitisch bedingte Durchbrechungen des Rituals, die Auswirkungen der Entstalinisierung, schliesslich die Symbiose von staatlichem und volkstümlich-traditionellem Ritual zur Sprache.
Aus dem Inhalt: Daniel Weiss: Vorwort – Ueli Schwendimann: Der Tod als Ode an das System. Textsortenmutationen als Bestandteil verbaler Propaganda - am Beispiel von Texten über den Tod – Ueli Schwendimann: Das sozialistische Pantheon. Beileidsdepeschen, Nachrufe, Aufrufe und Todesanzeigen in der Parteipresse der Polnischen Volksrepublik: Rituelle Konstanz und Wandel ihrer Vertextung von 1944 bis 1989 – Viktor Jurovskij: Struktura i stil' sovetskogo političeskogo nekrologa 30-ch - 80-ch godov – Daniel Weiss: Die Verwesung vor dem Tode. N. S. Chruščevs Umgang mit Fäulnis-, Aas- und Müllmetaphern – Renate Kummer: Ljubi Rodinu bol'še žizni – Ja bol'še ne mogu: Der plakatpropagandistische Todesdiskurs im Spannungsfeld der Gut-Böse-Dichotomie – Natascha Drubek-Meyer: Das zweite Leben des Leichnams. Die Medialisierung Lenins in Vertovs Filmen – Bettina Jungen: Gestorben im Kampf um den Sieg - geopfert für das ewige Leben. Der Tod in der sowjetischen Kunst von 1917 bis 1953 – Eva Maeder: «Umer - radujsja, a rodilsja - plač'». Totenritual und Sowjetisierung in einem altgläubigen Dorf in Sibirien.