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Das Fremde

Reiseerfahrungen, Schreibformen und kulturelles Wissen

Series:

Alexander Honold and Klaus R. Scherpe

Das Fremde gehört seit jeher zu den großen Themen der Literatur, zu den menschlichen Grunderfahrungen wie Liebe oder Gewalt und Tod; das Fremde ist aber auch eine selbst schon ästhetisch verfaßte Kategorie. Das in wissenschaftlichen und literarästhetischen Darstellungen der Moderne vermittelte Bild fremder Kulturen entwirft einen Faszinationsbereich von großer kultureller Ausstrahlungskraft.
Der Diskurs über das Fremde hat Konjunktur. Für die Germanistik impliziert das die Aufforderung, das Thema historisch anzugehen und in einem kulturwissenschaftlich erweiterten Blickwinkel zu behandeln. Die hier versammelten Studien fragen nach den Inszenierungen und Auftrittsbedingungen von Alterität in den Diskursen und symbolischen Praktiken, die seit Mitte des 18. Jahrhunderts das Wissen von fremden Kulturen hervorbrachten. Damit macht dieser Band die engen Verschränkungen von kulturellem Wissen und ästhetischer Imagination sichtbar. Literarische Quellen wie Reisebeschreibungen, Tagebücher, journalistische Berichte und fiktionale Werke werden in ihrem diskursiven Zusammenhang mit Ereignissen und Dispositionen der zeitgenössischen Politik und Wissenschaft rekonstruiert, namentlich mit den im Zuge des Kolonialismus im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts entstandenen Disziplinen und Institutionen.
Der Band richtet sich an Literatur- und Kulturwissenschaftler ebenso wie an alle mit interkulturellen Fragen und Begegnungen Befaßten, er gibt Anregungen und Material für die im Ausland lebenden und lehrenden Kulturvermittler und bietet auch den an Reiseberichten und ethnographischen Forschungen Interessierten eine reiche Fundgrube.
Aus dem Inhalt: Alexander Honold, Klaus R. Scherpe: Einleitung – Klaus R. Scherpe: Die Ordnung der Dinge als Exzeß. Überlegungen zu einer Poetik der Beschreibung in ethnographischen Texten – Anette und Peter Horn: Die Fremden spielen mit: Schlaglichter auf einige Schauplätze kolonialer Gewalt – Birgit Tautz: Texturen und Farben. China und Afrika im Blick des deutschen Idealismus – Markus Joch: Deutsche Anti-Evolutionisten? Konzeptionen der Kulturkreislehre um 1900 – Sibylle Benninghoff-Lühl: Die Jagd nach dem Missing Link in den Verhandlungen der Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte – Eric Ames: Wilde Tiere. Carl Hagenbecks Inszenierung des Fremden – Alexander Honold: Flüsse, Berge, Eisenbahnen: Szenarien geographischer Bemächtigung – Stephan Besser: Tropische Infektionsphantasmen. Zur kulturellen Typologie der Malaria um die Jahrhundertwende – Oliver Simons: Phonographie der Fremde. Erich Moritz von Hornbostels Musikethnologie – Nana Badenberg: Art nègre. Picasso, Einstein und der Primitivismus – Weijian Liu: Geistige Entkolonialisierung in der literarischen Qingdao(Tsingtau)-Darstellung – Rekha Kamath: Indien mit der Seele suchend. Deutsche Indienreisende der frühen Moderne – Rolf J. Goebel: Orientalismus, Homoerotik und ethnographische Parodie: Kafkas Beschreibung eines Kampfes – Michaela Holdenried: Der technisierte Barbar. Magie und Mimesis in Robert Müllers Tropen – Gernot Kamecke: Was ist ein kreolischer Autor? Strategien postkolonialer Identität bei Patrick Chamoiseau.