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Thomas Mann, Doktor Faustus, 1947-1997

2., unveränderte Auflage

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Werner Röcke and Werner Röcke

Es gibt wohl nur wenige Bücher des 20. Jahrhunderts, in denen die Wunschbilder und Aporien deutscher Geistes- und Kulturgeschichte, ästhetischer Fundamentalismus und die Überzeugung von der «Endzeit der Kunst», deutsche Innerlichkeit und faschistische Gewalt so präzise, aber auch so schonungslos reflektiert wurden wie in Thomas Manns Doktor Faustus-Roman von 1947. Faszination und Provokation der Biographie des deutschen Tonsetzers Adrian Leverkühn resultieren auch nach fünfzig Jahren aus einem ironisch-distanzierten und sympathetischen Blick auf den Antimodernismus und die «Konservative Revolution» deutscher Intellektueller und Künstler, aber auch auf die Höchstleistungen moderner Musik und Musiktheorie im 20. Jahrhundert (Schönberg, Adorno u.a.), die im Rückgriff auf die spätmittelalterliche Faust-Sage zusammengeführt werden. In vorliegender Publikation stehen diese Schnittpunkte zwischen dem alten Stoff und seiner noch höchst aktuellen Deutung im Mittelpunkt.
Aus dem Inhalt: Werner Röcke: Vorbemerkung – Hans Rudolf Vaget: Fünfzig Jahre Leiden an Deutschland: Thomas Manns «Doktor Faustus» im Lichte unserer Erfahrung – Georg Bollenbeck: «Doktor Faustus»: Das Deutungsmuster des Autors und die Probleme des Erzählers – Stefan Breuer: Wie teuflisch ist die «konservative Revolution»? Zur politischen Semantik Thomas Manns – Eberhard Lämmert: «Doktor Faustus» - eine Allegorie der deutschen Geschichte – Herfried Münkler: Wo der Teufel seine Hand im Spiel hat. Thomas Manns Deutung der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts – Hartmut Böhme: Der Affe und die Magie in der «Historia von D. Johann Fausten» – Maria E. Müller: Die Gnadenwahl Satans. Der Rückgriff auf vormoderne Pakttraditionen bei Thomas Mann, Alfred Döblin und Elisabeth Langgässer – Jan-Dirk Müller: Faust - ein Mißverständnis wird zur Symbolfigur – Werner Röcke: Teufelsgelächter. Inszenierungen des Bösen und des Lachens in der «Historia von D. Fausten» (1587) und in Thomas Manns «Doktor Faustus» – Tobias Plebuch: Vom Musikalisch-Bösen. Eine musikgeschichtliche Annäherung an das Diabolische in Thomas Manns «Doktor Faustus» – Dieter Borchmeyer: Bescheidenheit contra Absolutheit der Kunst. Ein alternatives ästhetisches Modell im «Doktor Faustus» – Irmela von der Lühe: «Es wird mein ‘Parsival’»: Thomas Manns «Doktor Faustus» zwischen mythischem Erzählen und intellektueller Biographie – Hermann Danuser: Erzählte Musik. Fiktive Poetik in Thomas Manns «Doktor Faustus» – Ernst Osterkamp: «Apocalipsis cum figuris». Komposition als Erzählung – Klaus Kropfinger: «Montage» und «Composition» im «Faustus» - Literarische Zwölftontechnik oder Leitmotivik?