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Erschriebene Natur

Internationale Perspektiven auf Texte des 18. Jahrhunderts

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Michael Scheffel

Die Erosion eines theologisch-metaphysisch fundierten Weltbildes im Zuge von new science und Aufklärung hat auch einen Umbruch im Verständnis von Natur zur Folge. Natur wird zu einem Objekt, das wissenschaftlich erforscht und zunehmend beherrscht werden kann. Eine nicht mehr zwangsläufig als Zeichensprache Gottes verstandene Natur wird aber auch frei für eine Vielfalt unterschiedlich kodierter Projektionen von Individuen und sozialen Kollektiven. Am Beispiel der (Re-)Produktion von Natur in Texten verschiedenen Genres untersuchen die Beiträge des vorliegenden Bandes die kulturellen Muster, nach denen sich die Wahrnehmung von Natur im Zeichen der Säkularisation neu organisiert. Dabei wird sowohl das Netz der internationalen Verflechtungen im 18. Jahrhundert als auch die Ausdifferenzierung neuer nationaler Rahmen in Europa berücksichtigt und mit einem amerikanistischen Beitrag überdies eine transatlantische Perspektive eröffnet.
Aus dem Inhalt: Michael Scheffel: Einleitung: Die Kunst der Natur - Kulturelle Muster der (Re-)Produktion von ‘Natur’ vor dem Hintergrund eines historischen Paradigmenwandels – Joachim Grage/Michael Scheffel: Anfänge deutscher und skandinavischer Naturpoesie oder Die Ausdifferenzierung europäischer Nationalliteraturen im Zeichen des Irdischen Vergnügens in Gott – Thomas Bredsdorff: Pious Nature – Armin Paul Frank: Inventing ‘Natures Nation’ in the Image of ‘Wide Open Spaces’ and the Language of the ‘Prospect Poem’: Timothy Dwight’s Greenfield Hill – Volker Mergenthaler: «So theil’ ich alles, was ich sehe [...], in fünf gevierte Fächer ein.» Zum wahrnehmungsgeschichtlichen Ort von Barthold Heinrich Brockes’ Thürmchen zu Ritzebüttel – Carsten Zelle: Die Geburt der Natur aus dem Geiste der Rhetorik. Zur Schematisierung von Natur und Genie bei Dennis und Goethe – Jörn Glasenapp: Das Bild stets vor Augen oder William Gilpin und der pittoreske Landschaftskult des ausgehenden 18. Jahrhunderts – Clive Scott: Landscapes of the Line: Verse-Features and the Perception of Nature in Romantic and Pre-Romantic Poetry – Claudia Albes: Der Autobiograph als Botaniker. Zur poetologischen Funktion von Linnés Systema naturae in Rousseaus Les Rêveries du Promeneur Solitaire – Astrid Surmatz: ‘Terra incognita’ im Fokus ethnographischer und botanischer Beschreibungsmuster: Linnés Reise durch Lappland – Heide Hollmer/Albert Meier: «Die Erde ist nicht überall einerlei!» Landschaftsbeschreibungen in Karl Philipp Moritz’ Reiseberichten aus England und Italien – Hans-Edwin Friedrich: Nützliche oder grausame Natur? Naturkonstruktion in der spätaufklärerischen Robinsonade (Campe, Wezel) – Alexander Honold: Krumme Linie, exzentrische Bahn: Hölderlin und die Astronomie.