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«...dass nichts an sich jemals vollendet ist.»

Untersuchungen zum Instrumentalschaffen von Luciano Berio

Series:

Thomas Gartmann

Der 1925 geborene italienische Komponist Luciano Berio gehört dank seiner eigentümlichen Verbindung von Experimentierfreudigkeit, Traditionsverbundenheit und kritischem Denken zu den schillerndsten Erscheinungen der Gegenwart. Das Motto «...dass nichts an sich jemals vollendet ist» verweist auf die zentrale Bedeutung des Prozesshaften, das in der Publikation von Thomas Gartmann erstmals systematisch untersucht wird. Im Mittelpunkt steht dabei die Instrumentalmusik, der hier ebenfalls erstmals eine eigene Monographie gewidmet ist.
Anhand von Skizzen wird exemplarisch der Entstehungsprozess des Streichquartetts Sincronie vom ersten notierten Einfall bis zur Endgestalt der Zweitfassung nachvollzogen und zu Berios technischem und ästhetischem Denken in Beziehung gesetzt. Entlang der Werkreihe von elf Sequenze für jeweils ein Soloinstrument werden kompositionstechnisch zentrale Aspekte erläutert, dazu Theorie und Praxis «offener Kunstwerke» und die damit verbundene Ausbildung neuer Notationen und Interpretentypen. Berios Work-in-progress-Denken äussert sich vor allem in der Bearbeitung eigener Werke. Die orchestrale Weiterentwicklung der Oboen-Sequenza VII zu Chemins IV und die Problematik des zeitgenössischen Solokonzertes werden hier ebenso diskutiert wie die Begriffe Revision, Erweiterung und Neufassung. Schliesslich werden Bearbeitung und Anverwandlung von fremdem musikalischen Material in ihrer ganzen Vielfalt von Anstössen, Absichten und Techniken kritisch gewürdigt. Im Mittelpunkt stehen dabei Sinfonia als ein eigentliches Beziehungsnetz sowie eine der neuesten und komplexesten Auseinandersetzungen mit eigenem und fremdem Material, dem Kompositionsprozess und wohl auch dem Werk- und Musikbegriff überhaupt: Berios Rendering, Annäherungen an die kürzlich aufgefundenen Sinfoniefragmente Schuberts.