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Resakralisierung und Allegorie im Spätwerk Clemens Brentanos

Das "Märchen von Gockel, Hinkel und Gackeleia</I> (1838) und "Das bittere Leiden unsers Herrn Jesu Christi</I> (1833)

Laura Benzi

Die Spätfassung des Märchens von Gockel, Hinkel und Gackeleia (1838) ist eine eigenartige Erscheinung in Brentanos poetischem Spätwerk und im Kontext der zeitgenössischen Literatur. Es ist der einzige publizierte literarische Prosatext nach Brentanos «Reversion», der nicht auf religiösen Grundlagen beruht. Das Märchen, das in den dreissiger Jahren des 19. Jahrhunderts noch einmal an die romantische Tradition des Kunstmärchens anknüpft, ist eine romantische Arabeske in einer Zeit, in der die Romantik sich selbst historisch zu werden anfängt – dem Anschein nach ein verspätetes literarisches Unternehmen. Das vorliegende Buch argumentiert anders. Vor dem Hintergrund des reflexiven Wechselspiels zwischen Wiederaufnahme und Erneuerung, Kontinuität und Bruch mit dem Erbe der vor- und frühmodernen Zeit, die die Kultur der dreissiger Jahre in Deutschland prägte, erweist sich Brentanos Märchen als ein moderner und konsequent durchgeführter Versuch der literarisch-religiösen «Resakralisierung» – der Neubestimmung einer «Religio» in einer unsteten Zeit. Im Kontext der zeitgenössischen religiösen Erneuerung der dreissiger Jahre, der zeitgleichen poetologischen Debatte über das Erbe der Romantik und der poetischen Selbstverortung Brentanos im Bitteren Leiden unsers Herrn Jesu Christi (1833) wird Brentanos Märchen neu bewertet.
Aus dem Inhalt: Das Märchen von Gockel, Hinkel und Gackeleia: Texturen einer Erzählung – Das Märchen von Gockel, Hinkel und Gackeleia: Späte Allegorie der Romantik – Allegorie und religiöse Wende – Von der Emmerick-Erfahrung zum «grossen» Gockel-Märchen.