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Die Differenzierung des Gemeinsamen

Männliche Doppelportraits in England von Hans Holbein d. J. bis Joshua Reynolds

Marcella Baur-Callwey

Die Porträtmalerei erfuhr im 17. und 18. Jahrhundert in England besonderes Interesse vor dem Hintergrund eines intensiven theoretischen Diskurses. Innerhalb dieser Gattungskonjunktur zeigt sich auch die Darstellung zweier männlicher Personen als Sonderfall des Gruppenporträts in immer neuen Varianten, Themen und Motiven. Das männliche Doppelporträt erweist sich dabei mit einem komplexem Beziehungsgeflecht zwischen Künstler, Dargestellten und Betrachter als besonders vielschichtig. Bei der Betrachtung der einzelnen Werke der in England ansässigen und englandstämmigen Künstler, wobei die bedeutenden und prägenden Werkgruppen von Anthonis van Dyck und Joshua Reynolds besondere Vertiefung erfahren, lassen sich spezifische Darstellungsprobleme als besondere Herausforderung identifizieren. Der Künstler steht vor der Aufgabe, zwei Personen in ihrer Eigenständigkeit und zugleich in ihrer Zusammengehörigkeit zu Darstellung zu bringen. Einerseits ist eine Verknüpfung zweier annähernd gleichgestaltiger Objekte zu veranschaulichen. Oftmals sind es dabei die gemeinsamen Interessen und die persönliche Hinwendung, die die unterschiedlichen Charaktere im Bild zueinander führt. Andererseits fordert die Ähnlichkeit zweier männlicher Personen eine Differenzierung, die dem Künstler seitens der Kunsttheorie und dem philosophischem Diskurs empfohlen wurde. Antithetische Konzepte, wie beispielsweise die Gegenüberstellung der vita activa und vita contemplativa, werden für das männliche Doppelporträt fruchtbar gemacht.
Im Werk aller Künstler lässt sich die Darstellung vielgestaltiger Beziehungen beobachten. Dabei sind die Darstellungsmodi der Koordination und Unterordnung als gattungsspezifische, gegensätzliche Möglichkeiten der Bildkomposition zu unterscheiden. Die Beziehungen von Freunden oder Brüdern werden naturgemäß anders wiedergegeben als diejenigen von Vater und Sohn oder Lehrer und Schüler. Gemein ist allen Darstellungen jedoch eine gegenseitige innere Verbundenheit, die eine gemeinsame Darstellung erst ermöglicht.