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Der diskrete Charme der Prokrastination

Aufschub als literarisches Motiv und narrative Strategie (insbesondere im Werk von Jean-Philippe Toussaint)

Anja Kauß

Man kann dieses Buch getrost zur Seite legen – und später lesen, wenn die Zeit reif ist: Ein Grundlagenwerk zur Prokrastination, eine Phänomenologie des Aufschubs als Kulturleistung – als Strategie, als umsichtig-skeptische Lebensprogrammatik, als Geisteshaltung und Handlungsprinzip. Es macht im Rahmen von Ästhetik und Rhetorik mit einem bislang kaum beachteten Phänomen vertraut – der Ästhetik des aufschiebenden Erzählens. Die Prokrastination erscheint so vor dem Hintergrund postmoderner Theoriebildung als analytisch weitreichendes Konzept zur Erfassung insbesondere der Literatur nach der Dekonstruktion traditionell-narrativer Kategorien und wird vor allem am Werk von Jean-Philippe Toussaint erörtert. Das Buch – auch ein Streifzug durch die (Sub)Kultur der Prokrastinateure, von den alten Griechen über Nietzsche, Freud, Kafka, Tristram Shandy, Wladimir, Estragon, Hamlet, Oblomow, Zeno Cosini bis zu Derrida, Muhammed Ali oder Winnie-the-Pooh – ist oft witzig, teils digressiv, teils essayistisch-rhizomatisch und insgesamt sowohl historisch wie systematisch. Ein Meilenstein von einem Fragment.