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Kulturgeschichte als Kulturkritik

Nachfragen bei Georg Steinhausen

Lars Deile

«Der Lebensfreude persönlich beraubt, meine ich deutlicher zu sehen, wie das Leben wirklich ist; ich sehe die Dinge mit Resignation an, wie ich auch von höherer Warte auf die Menschen und Verhältnisse blicke, die es verhindert haben, daß ich in das richtige Erdreich kam, um voll wirken zu können.»
Georg Steinhausen (1866-1933), Ende des 19. Jahrhunderts einer der ambitioniertesten Vertreter der Kulturgeschichtsforschung, blickte 1925 voller Enttäuschung auf die eigene Lebenszeit zurück. Wie bei vielen seiner Zeitgenossen äußerte sich dieses Unbehagen in weitreichender Kulturkritik. Doch gerade in der Form von Kulturgeschichte fand Steinhausen Möglichkeiten, den eigenen Standpunkt zu reflektieren und zu erklären, warum die Welt um 1900 die bürgerlichen Erwartungen nicht mehr traf. Im biographischen Rahmen fragt die Studie nach Möglichkeiten und Grenzen der Entfaltung von Kulturgeschichtsforschung gegen Ende des Kaiserreichs und sucht nach fruchtbaren Ansätzen für gegenwärtige Diskussionen über Kulturgeschichte und Kulturwissenschaften.