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Das verwehrte Opfer

Strawinskys biblisches Alterswerk «Abraham and Isaac» mit einem Blick zurück auf «The Flood»

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Aloyse Michaely

Die biblische Kantate «Abraham and Isaac», ein Werk über die Kraft des Glaubens, handelt von dem alttestamentlichen Vater, der bereit ist, auf göttliche Anweisung hin seinen einzigen Sohn zu opfern. Wenn Strawinskys späte Vertonung sein wahrscheinlich am schwersten zugängliches Werk ist, so liegt das weniger am Stoff, der durch die Jahrhunderte hindurch immer wieder Anstoß erregt hat, als an der musikalischen Umsetzung. In ihrer kompositorischen Dichte, ihrer extremen Reduktion der Mittel und scheinbaren Emotionslosigkeit gibt sie den Genesis-Text adäquat wieder. Diese nüchtern-herbe Strenge wird noch deutlicher im Vergleich mit dem unmittelbar vorausgehenden Werk über die Sintflut («The Flood»). Dem unterschiedliche Stilebenen mischenden Text entspricht hier eine völlig andere Musik: voller Abwechslung, reich an anschaulichen Symbolen. Beide Werke verbindet Strawinskys eigener Umgang mit der Zwölftontechnik, in der sich verselbständigende Hexachorde gleichberechtigt neben die Ganzreihen treten oder diese in den Hintergrund drängen.

Die Genesis-Erzählung vom verhinderten Opfer Abrahams als Dokument des Glaubens – Stilistisch strenger, emotionsloser Text – Musikalische Umsetzung mit extremer Reduktion der Mittel – Vertonung eines alttestamentlichen Stoffes (Sintflut) – Unterschiedliche Stilebenen des Textes: bilder- und abwechslungsreiche Komposition –Strawinskys spezifischer Umgang mit der Reihentechnik.