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Musik im Exil

Die Schweiz und das Ausland 1918-1945

Chris Walton and Antonio Baldassarre

Musik und Exil im 20. Jahrhundert ist heute zum vieldiskutierten, aber auch stark polarisierten Forschungsbereich geworden. Diese fünfzehn Beiträge sind bestrebt, das Thema differenziert zu behandeln und setzen, unter Einbeziehung der Grauzonen menschlichen Handelns, manchen bequemen Unwahrheiten unbequeme Wahrheiten entgegen. Sie beziehen sich nicht allein auf die Konsequenzen politischer Verfolgung in den faschistischen Ländern Europas, sondern auf das Phänomen des Exils im Allgemeinen, d. h. auf das erzwungene Verlassen eines Ortes, wo sich der einzelne Mensch «zu Hause» fühlt. Dabei werden die Fälle Paul Klecki und Wladimir Vogel untersucht, die beide in den 1930er-Jahren Zuflucht in der Schweiz fanden, oder auch Schweizer Komponisten wie Ernest Bloch, der Busoni-Schüler Robert Blum und der Schönberg-Schüler Erich Schmid, die ihre Heimat verlassen mussten, um ihre künstlerischen Ziele zu verfolgen. Aber auch das metaphorische «Im-Exilsein» eines homosexuellen Komponisten in einer homophoben Umwelt kommt zur Sprache.
Aus dem Inhalt: Antonio Baldassarre: Paul Klecki: Dirigent und Komponist im Exil. Versuch einer Interpretation seines Schaffens im biographischen Kontext – Thomas Gartmann: Der Schweizerische Tonkünstlerverein 1933 bis 1945. Ein Berufsverband, der sich nicht mit politischen Fragen befasst (?) – Friedrich Geiger: Ticinella. Wladimir Vogel im Schweizer Exil – Anselm Gerhard: «Die Schweiz im deutschen Geistesleben». Fragen zu einer Denkfigur – Norbert Graf: Auch wir «Zu Lebzeiten vielleicht gar nie aufgeführt»? Schweizer in den Meisterklassen für Komposition von Ferruccio Busoni und Arnold Schönberg in Berlin (1921-1933) – Anton Haefeli: Politische Implikationen einer «unpolitischen» Organisation. Die Internationale Gesellschaft für Neue Musik zwischen 1933 und 1939 – Hans-Joachim Hinrichsen: Robert Bosshart und der Antisemitismus nach Richard Wagner – Timothy L. Jackson: Representations of «Exile» and «Consolation» in Hindemith’s Mathis der Maler – Walter Labhart: Der Jüdische Zyklus von Ernest Bloch – Malcolm Macdonald: Czesław Marek and his Sinfonia – Thomas Meyer: Mehr als ein mühsamer Broterwerb. Arthur Honeggers Beitrag zum Schweizer Filmschaffen – Verena Naegele: Luzern als «Gegenfestival»: Mythos und Realität. Die Anfänge der Internationalen musikalischen Festwochen Luzern – Annalise Plummer Roy: Hans Schaeuble and Dodecaphony – Mathias Spohr: Exil und U-Musik? – Chris Walton: Inner Exile? The Peculiar Case of Hans Schaeuble.