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Überschreitung der Geschlechtergrenzen?

Zum Motiv der Frau in Männerkleidern im "Dolopathos</I> des Johannes de Alta Silva und anderen literarischen Texten des Mittelalters

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Kerstin Losert

Das Motiv der Frau, die sich als Mann verkleidet, kommt in literarischen Werken des Mittelalters in vielfältigen Ausprägungen vor: Es findet sich in erbaulichen Erzählungen und in Schwänken, in Romanen und sogar in hagiographischen Texten. Wie aber wird dieser Kleidertausch, durch den die Geschlechtergrenzen verwischt zu werden drohen, literarisch dargestellt und beurteilt? Dieser Frage geht die Autorin zunächst in einer Überblicksdarstellung und der vergleichenden Interpretation verschiedener volkssprachlicher Werke nach. Besondere Aufmerksamkeit gilt sodann der Creditor-Erzählung aus dem lateinischen Dolopathos-Roman des Johannes de Alta Silva und ihren mittelalterlichen Bearbeitungen: Hier gibt sich eine Frau als Mann aus, um ihren Freund vor dem Tode zu bewahren. Diese Erzählung, in der die Kerngeschichte des Shakespeareschen Dramas Der Kaufmann von Venedig angelegt ist, wird im Laufe des Hoch- und Spätmittelalters immer wieder umgearbeitet und in neue Zusammenhänge gestellt. Überlieferungsgeschichtliche Aspekte beeinflussen die Darstellung und Bewertung der Frauengestalt dabei ebenso wie unterschiedliche Autorintentionen und textsortenspezifische Merkmale.
Aus dem Inhalt: Theorien der Geschlechtsidentität – Weiblicher Kleidertausch im Spiegel der mediävistischen Forschung – Exkurs zu Frauen in Männerkleidern in hagiographischen Texten – Der Kleidertausch in Schwänken, Mären und epischen Texten – Die Creditor-Erzählung aus dem Dolopathos des Johannes de Alta Silva und ihre mittelalterlichen Bearbeitungen.