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Kontroversen in der Literaturtheorie/ - Literaturtheorie in der Kontroverse

Series:

Ralf Klausnitzer and Carlos Spoerhase

Literaturtheoretische Überlegungen sind immer wieder Auslöser von polemisch ausgetragenen Kontroversen gewesen. Fragen nach der spezifischen Qualität literarischer Texte, nach der Geltung von Bedeutungszuweisungen oder nach Kriterien für überzeugende Interpretationen führten ebenso zu scharfen Auseinandersetzungen wie die Konzeptualisierung literaturgeschichtlicher Verlaufsformen und ihre Verknüpfung mit inner- und außerliterarischen Kontexten.
Systematische Überlegungen und historische Fallstudien verknüpfend, werden im vorliegenden Band zentrale literaturtheoretische Debatten vorgestellt, Voraussetzungen wie Verlaufsformen von Dissensbildungen analysiert und so die Potentiale einer konflikthistorisch ausgerichteten Wissenschaftsforschung erprobt.
Ausgangspunkt der rekonstruktiven Einsätze sind Fragen nach den kognitiven Leistungen und sozialen Funktionen von konfrontativ ausgetragenen Auseinandersetzungen bei der Erzeugung und Verbreitung von Wissensansprüchen. Um über diese Sachverhalte Aufschluss zu erlangen, rekonstruieren die Beiträge die epistemischen und institutionellen Konstellationen exemplarischer Kontroversen. Sie beschreiben Verfahren der Artikulation von Konsens und Dissens und analysieren die argumentative Struktur polemischer Auseinandersetzungen. Schließlich markieren sie den ‘Ausgang’ der Debatten und erläutern ihre Bedeutung für die Entwicklung der relevanten literaturtheoretischen Forschungsfelder. Ergebnis sind detaillierte Einsichten in die Leistungen und Funktionen der Kontroverse als epistemisches Genre, das auch in der Literaturtheorie die Grundstrukturen adversativer Wissenskommunikation prägt.
Aus dem Inhalt: Ralf Klausnitzer/Carlos Spoerhase: Vorwort – Ralf Klausnitzer: Koexistenz und Konkurrenz. Theoretische Umgangsformen mit Literatur im Widerstreit – Carlos Spoerhase: Kontroversen: Zur Formenlehre eines epistemischen Genres – Lutz Danneberg: Dissens, ad-personam-Invektiven und wissenschaftliches Ethos in der Philologie des 19. Jahrhunderts: Wilamowitz-Moellendorff contra Nietzsche – Dorit Müller: «Lufthiebe streitbarer Privatdocenten»: Kontroversen um die theoretische Grundlegung der Literaturwissenschaft (1890-1910) – Hans-Harald Müller: Die Lebendigen und die Untoten Lassen sich Auseinandersetzungen zwischen Wissenschaftskonzeptionen als «Kontroversen» rekonstruieren? Am Beispiel von Positivismus und Geistesgeschichte – Wolfgang Höppner: Zur Kontroverse um Friedrich Gundolfs «Goethe» – Markus Wild: «Schon unser Briefwechsel hat das Gedicht allzu schwer belastet.» Staiger und Heidegger über Mörikes «Auf eine Lampe» – Andreas Dittrich: Jargon der Eigentlichkeit? Die Kontroverse zwischen Heidegger und Adorno über die philosophische Lesbarkeit ästhetischer Texte – Julia Mansour: «Fehdehandschuh des kritischen Freundesgeistes». Die Kontroverse um Käte Hamburgers «Die Logik der Dichtung» – Oliver Müller: Subtile Stiche. Hans Blumenberg und die Forschungsgruppe «Poetik und Hermeneutik» – Gideon Stiening: Editionsphilologie und ‘Politik’. Die Kontroverse um die Frankfurter Hölderlin-Ausgabe – Tilmann Köppe: E. D. Hirsch versus M. C. Beardsley und W. K. Wimsatt. Zu einem Konzept des Fortschritts in der Debatte um den ‘intentionalen Fehlschluss’ – Marcel Lepper: Die strukturalistische Kontroverse, die keine war. Die Konferenz von Baltimore 1966 und die Folgen – Dirk Werle: Die Kontroverse zwischen John Searle und Jacques Derrida über eine adäquate Theorie der Sprache – Judith Frömmer: Derrida liest Rousseau, de Man liest Derrida, Derrida liest de Man, de Man liest Rousseau … – Tom Kindt: Denn sie wissen nicht, was sie tun. Stanley Fish versus Wolfgang Iser – Ralf Klausnitzer/Guido Naschert: Gattungstheoretische Kontroversen? Konstellationen der Diskussion von Textordnungen im 20. Jahrhundert – Matthias Aumüller: Die Kontroverse um Strukturalismus und Kognitivismus in der Narratologie – Christina Wald: Martha C. Nussbaum versus Judith Butler oder ‘Old-style’-Feminismus versus poststrukturalistische Gender-Theorie – Christopher Möllmann: Am Ende die Literatur. Eine kulturtheoretische Kontroverse zwischen Stefan Collini und Francis Mulhern in der «New Left Review» – Markus Joch: System versus Feld. Skizze eines schwelenden Konflikts – Katrin Fischer: Die Haug-Graevenitz-Debatte in der «DVjs» als Kontroverse um Literaturwissenschaft, Kulturwissenschaft(en) und wissenschaftliches Argumentieren.