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Aristoteles’ Metaphysik Λ: Ein spekulativer Entwurf

Einführung, Übersetzung, Kommentar

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Erwin Sonderegger

Die Wahrnehmung von Aristoteles’ Metaphysik Λ als Theologie ergab sich vor allem aus der Rezeption des Textes, die gesteuert war durch neuplatonische Werke wie den Liber de Causis oder die Theologia Aristotelis, die man lange Zeit für Werke des Aristoteles hielt. Die langdauernde und einflussreiche Wirkungsgeschichte hat zu einer derartigen Konditionierung heutiger Leser geführt, dass ihre immanenten Schwierigkeiten übersehen werden. Beispielsweise wird fälschlicherweise immer noch behauptet, Aristoteles verwende den Ausdruck «unbewegter Beweger».
Dergleichen legt es nahe, den Text mit neuen Augen zu lesen: Was spricht dagegen, ihn als rein spekulativen Entwurf über das Sein zu lesen, wo theologische Fragen zwar nicht sinnlos, aber doch sekundär werden? Und warum soll man im Sein nicht jene Noesis sehen, die es ermöglicht, dass sich Bemerktes im faktischen Bemerken in eine Welt einfügen und darin einen Platz ausfüllen kann?
Für all jene Philosophen, Theologen oder Philologen, die sich aus der Umklammerung einer verkrusteten Wirkungsgeschichte lösen wollen und noch ein Gefühl für den Unterschied zwischen Text und Rezeption haben, kann diese Darstellung eine Befreiung bedeuten.
Aus dem Inhalt: Ousia als Sein und als Substanz – Fragen der Datierung von Metaphysik Λ und Theophrasts Metaphysik – Zusammenhang zwischen Platons Timaios, Theophrasts Metaphysik und Metaphysik Λ – Theologische Standardinterpretation von Metaphysik Λ und eine Lektüre unter neuen Prämissen – Teleologie als konstitutives Weltprinzip und als eine von vier Positionen in einem Frageraster – Philosophie als methodisches Fragen und als Konstruktion eines Systems – Metaphysik Λ als Abschluss eines Systems und als spekulativer Entwurf – Sein als Noesis – Noesis als ein Universum des Bemerkens und Bemerkt-Werdens.