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Zwischen Tradition und Moderne

Der Güntherianer Vinzenz A. Knauer (1828-1894) auf der Suche nach Wahrheit in Freiheit

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Christine Mann

Das Ringen um eine moderne, sich positiv auch den Gedanken der Aufklärung stellende katholische Theologie hat im Wien des späten 19. Jahrhunderts eines seiner Zentren gefunden. Zu den weitsichtigsten Denkern gehörte der Philosophiehistoriker Vinzenz A. Knauer, ein Benediktiner des Wiener Schottenstifts. Er suchte letztlich die Zusammenschau zwischen neuscholastischer Theologie und der spekulativen Theologie A. Günthers, die an zeitgenössischer Philosophie anknüpfte. Das Neue an der Theologie und Philosophie des Wiener Privatgelehrten A. Günther zog ihn ähnlich in den Bann wie die später aufkeimende Altkatholische Bewegung. Seine schöngeistige Ader brachte ihn, der auch über Shakespeare arbeitete und eine Nachdichtung der Lieder des Anakreon vorlegte, in Kontakt mit dem Wiener Kreis um die Dichterin E. M. delle Grazie. So war sein Leben zwischen Philosophie und Dichtung, zwischen der Treue zur Kirche und der Freiheit des Denkens ausgespannt. Die Bedeutung dieser Arbeit liegt auch in der Veröffentlichung des umfangreichen Quellenmaterials aus dem Nachlass Knauers, namentlich für die Geschichte des Güntherianismus und des Altkatholizismus.
Inhalt: Theologie- und Geistesgeschichte 19. Jahrhundert – Güntherianismus – Altkatholizismus – Dichterphilosoph – Schottenstift Wien.