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Der Anspruch des Fremden als Ressource des Humanen

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Franz Gmainer-Pranzl and Martina Schmidhuber

Die Tagung an der Salzburger Universität, deren Beiträge in diesem Sammelband dokumentiert werden, setzt sich mit der komplexen, mitunter verworrenen und konfliktreichen Situation einer tief sitzenden Fremdenangst auseinander und geht von einer These aus, die viele ZeitgenossInnen als Zumutung erscheinen mag: Der Anspruch des Fremden wird nicht als Identitätsverlust oder Bedrohung wahrgenommen, sondern als Ressource des Humanen, als Chance des Menschlichen. Diese wird nicht durch Selbstbehauptung, sondern durch Fremdverantwortung möglich. Das heißt im Sinne der Phänomenologie des Fremden von Bernhard Waldenfels: nicht durch eine identifizierende, sondern eine responsive Form von Vernunft. Aus verschiedenen Perspektiven und Fachdisziplinen zeigen die Referentinnen und Referenten dieses Symposiums auf, inwiefern eine offene, (selbst-)kritische und lernbereite Auseinandersetzung mit dem Anspruch des Fremden tatsächlich Ressourcen des Menschseins in sich birgt, die große Chancen für die persönliche Entwicklung und das politische Handeln eröffnen.
Inhalt: Franz Gmainer-Pranzl/Martina Schmidhuber: Vorwort – Bernhard Waldenfels: Das Fremde im Wettstreit der Disziplinen – Franz Gmainer-Pranzl: Beanspruchtes Selbst. Einführung in ein befremdliches Thema – Teresa Leonhardmair: Im Dialog mit dem Anderen. Kunst als Einübung in das Fremde – Christoph Lienkamp: Fremder Anspruch des Gesetzes - Die Theologie vor der Herausforderung der responsiven Ethik – Martina Schmidhuber: Das Fremde als Bereicherung im Prozess personaler Identitätsbildung – Nikolaus Dimmel: Das Fremde als brüchige Identitätskonstruktion der Migrationsgesellschaft. Ein österreichischer Befund – Ulli Vilsmaier: Koordinate (0/0): Diastatisches Selbstverständnis als Grundlage wirsinniger Geographie – Emmanuel J. Bauer: Toleranz und Responsivität – Oskar Dangl: Skeptische Pädagogik und Kulturenvielfalt. Bewahrung der Menschlichkeit durch problematischen Vernunftgebrauch? – Martin Dürnberger: Das Fremde im Horizont postanalytischer Philosophie. Religiöse Epistemologie im Gefolge Donald Davidsons und Robert Brandoms – Hakan Gürses: Jargon der Fremdheit - Hans-Joachim Sander: Topographie des Fremden oder Topologie des Befremdens? Anfragen an Bernhard Waldenfels – Gabriele Sorgo: Nicht-responsive Einverleibung. Die Erfahrung des Fremden in Konsumgesellschaften – Julia Sonnleitner: Überlegungen zum Anspruch des Fremden aus Sicht der Kultur- und Sozialanthropologie – Andreas Weiss: Vom fremden Ich. Eigenart und Grenzen der Erschließung des Fremden bei Max Scheler – Judith Wiesinger: Das Fremde im Asylwerber. Das Phänomen des «Fremden» in der Debatte um die österreichische Asylpolitik – Veronika Wasserbauer: Fremd - Überlegungen zum «Hängenden Nest» als einem möglichen Bild der Erfahrung eines Fremden.