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Identität und Umbruch

Die sprachliche Konstruktion des Kriegsendes nach 1945- Zur Grammatik und Semantik emotiver Ereignisbezeichnungen im politischen Diskurs

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Andreas Rothenhöfer

Wie kommt es Mitte der 1980er Jahre in der Bundesrepublik Deutschland zu einer Kontroverse um die angemessene Bezeichnung des Kriegsendes? Wie wird in diesem Zusammenhang mithilfe von Sprache das Ereignis ‘8. Mai 1945’ konstituiert und bewertet? Unterscheiden sich die widersprüchlichen Positionen der Zeitgenossen Günter Grass, Heinrich Böll und Richard von Weizsäcker hinsichtlich der Zeichenbedeutungen, dem Verständnis oder Erlebnis der Ereignisse oder hinsichtlich einer nachträglichen Bewertung? Die Diskussion ausgewählter Beispiele und Forschungsbeiträge führt zur Entwicklung eines integrativen linguistischen Beschreibungs- und Analysemodells ‘Umbruch’ für den Zusammenhang zwischen Ereignisbezeichnung, Sachverhaltskonstitution und emotiver Sprechereinstellung. Das Beschreibungsmodell integriert semantische Rollenkonzepte und pragmatische Einstellungsindikatoren. Es wird auf ein diachrones Textkorpus politischer Reden der höchsten Staatsrepräsentanten der Bundesrepublik Deutschland von 1945-1985 angewandt. Die einheitlichen Beschreibungskategorien ermöglichen eine zielgerichtete und konstante Analyse der Texte und stellen stringente Vergleichsmittel für eine diachrone Gesamtschau des Diskurses über das Kriegsende im offiziellen Gedächtnis der Deutschen dar. Neben der allgemeinen Reflexion gegenstandskonstitutiver und kommunikativer Funktionsaspekte des Mediums ‘Sprache’ im Geschichtsdiskurs liefert die Untersuchung differenzierte und am konkreten Belegbeispiel überprüfbare Textanalysen, die auch für den linguistischen Laien nachvollziehbar und erkenntniserhellend sind.
Inhalt: Diskurs über das Kriegsende – Offizielles Gedächtnis – 8. Mai – Befreiung – Niederlage – Zusammenbruch – Kapitulation – Sprache und Emotion – Bezeichnung und Sprechereinstellung – Politische Reden – Semantische Rollen – Linguistische Textanalyse.