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Zur Rezeption Friedrich Schlegels in der Literaturwissenschaft der DDR

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Margret Bahr

In der Literaturgeschichtsschreibung der DDR galt die Romantik jahrzehntelang als reaktionär. Ihre Unvereinbarkeit mit der Realismusdoktrin Georg Lukács' wurde vor allem Friedrich Schlegel vorgeworfen, ihrem wichtigsten Theoretiker. Erst in den 70er Jahren bewirkten DDR-Schriftsteller eine Wende in der Rezeption der Romantik. An Schlegel und seinen Mitstreitern entzündete sich jetzt die entscheidende literaturtheoretische Debatte. Die Arbeit erörtert, wie sich DDR-Germanisten angesichts eines erstarrten Regimes für eine moderate Rehabilitierung Schlegels einsetzen. Dessen entgrenzende Visionen sollen die Verhältnisse in Bewegung bringen, sie dienen aber zugleich der Kompensation politischer Handlungsunfähigkeit. Unbequem bleiben Schlegels radikales Ironiekonzept und seine Kompromißlosigkeit in der Forderung nach Liberalisierung.
Aus dem Inhalt: Zur Wissenschaftsgeschichte der DDR-Germanistik - Warum und wie rehabilitieren Literaturwissenschaftler Friedrich Schlegel seit den 70er Jahren - Hürden der Aufwertung: die Ironie und das Fragment der Frühromantik - Krisenbewußtsein als Angelpunkt der Schlegel-Rezeption - Identifikatorischer Zugriff der Intellektuellen: frühromantische Melancholie, Individuumskonzeption, Zivilisationskritik, Emanzipation der Frau.