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«Selbst-Erweisung»

Der Ursprung des "ziran</I>-Gedankens in der chinesischen Philosophie des 4. und 3. Jhs. v. Chr.

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Hermann-Josef Röllicke

Wir finden das Wort ziran, eines der Kernworte altchinesischen Philosophierens seit dem 4. Jh. v. Chr. in rhetorischer Verwendung im Mohistischen Kanon und im Streit mit den Mohisten im Buch Zhuangzi, können seine thematische Vorbereitung zurückverfolgen in Schriften wie die Vier daoistischen Kapitel des Buches Guanzi, stoßen schließlich auf die Überordnung dieses Wortes noch über den Kernbegriff dao im Buch Laozi und erkennen seinen reifen Gebrauch in der Riten- und «Kunst»-Philosophie des Leiters der Jixia-Akademie des Staates Qi, Xunzi. Die Untersuchung zeigt mit exegetischen Mitteln, anhand von Paralleltexten und Synopsen und durch die Freilegung thematischer Cluster, daß die abendländische Gewohnheit, das Wort ziran nominal mit «Natur» oder «Spontaneität» und verbal mit «von selbst so sein» zu übersetzen, insofern unangemessen ist, als sie der ursprünglichen reflexiven und transitiven Rhetorik des Wortes nicht entspricht und sie das ziran-Denken in einen Begriffs- und Systemhorizont europäischen Philosophierens und Unterscheidens einstellt, der das eigene - in seiner Befreiung dann auch wieder überraschende - Potential dieses Denkens unterläuft.
Aus dem Inhalt: Erkundung des ersten expliziten Gebrauchs des ziran-Begriffes im Mozi und Zhuangzi - Rückgang in die Vier daoistischen Kapitel des Guanzi - Studium der Traktate Neiye und Xinshu als das thematische Quellgebiet des ziran-Gedankens - Die Übersteigung des dao durch das ziran im Laozi - Die Kunst- und Riten-Philosophie des Xunzi - Philosophische Vorgeschichte des Huang-Lao-Denkens an der Jixia-Akademie von Qi seit dem 4. Jahrhundert v. Chr.