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Garlieb Merkel als Kritiker der livländischen Ständegesellschaft

Zur politischen Publizistik der napoleonischen Zeit in den Ostseeprovinzen Rußlands

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Jürgen Heeg

Die livländische Ständegesellschaft basierte aufgrund der überwiegend agrarischen Strukturen auf dem System der Fronwirtschaft. Mit seiner zum Manifest gewordenen Schrift über die Letten beschritt Garlieb Merkel in der Kritik an der Leibeigenschaft einen neuen Weg. Erstmals wurde ein Zusammenhang zwischen sozialer und nationaler Frage hergestellt. Durch die Nationalisierung der Letten und Esten wurde die ständische Ordnung in ihren Grundfesten in Frage gestellt. Merkel setzte mit der Inanspruchnahme der Medien zur Umsetzung politischer Forderungen auf dem Wege der Gesetzgebung ein neues und revolutionäres Verfahren ein. Er entdeckte mit der Publizität eine in Livland noch nicht allgemein bekannte Waffe und schuf bereits Anfang des 19. Jahrhunderts die Anfänge einer politischen Publizistik. Als Folge der Agrarreformen von 1816/19 führte die Umgestaltung der Wirtschaftsverhältnisse auch zu einer Anpassung der ständischen Verfassung. Eine neu erarbeitete Bibliographie gibt einen Überblick zu den zahlreichen Zeitungen und Zeitschriften Garlieb Merkels.
Aus dem Inhalt: Zur Entwicklung der Agrarverhältnisse in den Ostseeprovinzen Rußlands im 18. Jahrhundert - Aufklärungspublizistik und Leibeigenschaft - «Die Letten» und die Aufhebung der Leibeigenschaft in Liv-, Est- und Kurland 1816-1819 - Die Auswirkungen der Agrarreformen auf das Bildungs- und Schulwesen in den baltischen Provinzen.