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Falschnamenmünzer

Zur Figuration von Autorschaft und Textualität im Bildfeld der Ökonomie bei Jean Paul

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Caroline Pross

Der moderne Autorschafts- und Werkbegriff, der um 1800 entsteht, definiert den Dichter über die Eigentümlichkeit seiner Phantasie. Wie sich dagegen eine Schreibweise legitimieren kann, die den eigenen Text bewußt aus dem intertextuellen Zitat speist, stellt für die zeitgenössische Ästhetik ein Problem dar. Jean Paul hat in seinen theoretischen Texten und in den Schriftstellerromanen Siebenkäs und Leben Fibels die Frage nach dem eigenen Wort buchstäblich genommen. Ausgehend vom Wort als «Münze» inszenieren die Romane Schreiben und Lektüre als Tauschhandel von Zeichen und Texten. Literatur kann aus dem Tausch, der Aneignung von Zeichen entstehen, aber auch aus der poetischen Falschmünzerei. Sie hat teil an der gesellschaftlichen Zirkulation der Zeichen und sie ist das Falschgeld dieser diskursiven Ökonomie.
Aus dem Inhalt: Eigentum aus Eigentümlichkeit: literarische Autorschaft um 1800 - «Bildmünze» und «Papier-Geld»: die Ökonomie der Dichtung - «Falschnamenmünzer»: Autorschaft und Zeichentausch - «Erzählen» als «Erzahlen»: Textökonomien - «Gütergemeinschaft» oder «Geistes-Räuber»: der Text aus Texten - «Fortlaufendes Lesen»: die Zirkulation der Zeichen.