Show Less
Restricted access

Askese und asketische Erziehung als pädagogisches Problem

Zur Theorie und Praxis der frühen Landerziehungsheimbewegung in Deutschland zwischen 1898 und 1933

Series:

Frank Wild

Tragende Begriffe dieser Untersuchung sind «asketische Erziehung» (E. Meissner) und «innerweltliche Askese» (M. Weber). Vor allem Weber hat das begriffliche Instrumentarium zur Verfügung gestellt, mit dem die inner- und außerweltliche Landerziehungsheim-(LEH)-Bewegung analysiert werden konnte. Die frühe LEH-Bewegung in Deutschland verstand sich als Abwehr- und Erneuerungsinstitution der für dekadent gehaltenen großstädtischen Zivilisation. Ihre Protagonisten, allen voran Hermann Lietz, entwarfen eine asketische Gegenwelt, in der ein neuer Menschentypus erzogen werden sollte. Dieser wird hermeneutisch aufgespürt und in dem Begriff des radikalen erzieherischen Neupietisten konzentriert. Denn alle untersuchten LEH-Reformer waren protestantisch geprägt und insofern Erzieher, die das «asketische Ideal» (Nietzsche) vielleicht ein letztes Mal in der europäischen Kulturgeschichte in voller Intonation zur Aufführung brachten.
Aus dem Inhalt: Wurzeln der Landerziehungsheim-(LEH)-Bewegung sind in Pietismus, Herbartianismus sowie der Philosophie Rousseaus zu finden - Erziehungsphilosophische und organisatorische Fundamente werden am Beispiel von sieben Heimmodellen untersucht.