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Die Distanzanrede im Russischen, Polnischen und Deutschen und ihre historischen Hintergründe

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Klaus Buchenau

Anredeformen sind ein sprachliches Phänomen, aber sie beziehen sich auf die außersprachliche Wirklichkeit - sie markieren soziale Beziehungen in der Gesellschaft und sind Ausdruck kultureller Werte. Ein Anredevergleich ist daher nicht nur linguistisch, sondern auch soziokulturell relevant. Die drei Sprachen Russisch, Polnisch und Deutsch bieten sich dabei besonders für den Vergleich an, da Rußland, Polen und Deutschland geographisch wie kulturell ein Kontinuum auf der Ost-West-Achse innerhalb Europas bilden. Verglichen werden sowohl das Formeninventar (Nomen und Pronomen) als auch seine konkrete Verwendung in verschiedenen Kommunikationsbereichen, v.a. im Bildungswesen, im Gesundheitswesen und in der Kirche. Der Untersuchungszeitraum ist vor allem die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts, doch wurden zur Erklärung einiger ausgewählter Phänomene auch frühere Sprachzustände berücksichtigt.
Aus dem Inhalt: Theoretische Grundlagen: Anrede und Gesellschaftstyp - Vergleichsverfahren - Klassifikation von Anredeformen - Zur empirischen Untersuchung von Anredeformen - Die gebundene (pronominale) Anrede: Ist die indirekte Anrede des Polnischen vergleichbar mit russ. vy und dt. Sie? - «Duzen» und «Siezen» im Vergleich - Die freie (vokativische) Anrede: «Titelsucht» im Polnischen? - Formenschwund im Deutschen? - Die Sonderstellung des Russischen.