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Identitätsfindung und Rollenspiel in Thomas Manns Romanen «Joseph und seine Brüder» und «Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull»

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Kerstin Schulz

Thomas Manns Werk ist historisch geprägt von der Darstellung des problematischen Verhältnisses von Individuum und Gesellschaft. Während seine frühen Werke aber primär vom Scheitern des Individuums erzählen, repräsentieren im späteren Werk vor allem die Figuren Joseph und Felix Krull unterschiedliche Modelle eines mit sich und der Welt versöhnten Lebens. Beide Charaktere sind zugleich auch als Rollenspieler zu begreifen, die durch die Übernahme sozialer und mythischer Modelle zu einer eigenen Form von Identität finden bzw. diese im eratischen Wandel mit spielerischer Freiheit auflösen. Greifen für Joseph noch von Goethe geprägte Bildungs- und Identitätskonzepte des 18. und 19. Jahrhunderts, verkörpert Felix Krull die heiter-schelmische Variante des im 20. Jahrhundert diagnostizierten Identitätszerfalls. Ihre – bei aller Unterschiedlichkeit innerlich verwandten – Viten enthalten so auch ein utopisches Moment.
Aus dem Inhalt: Joseph und seine Brüder: die Ausdifferenzierung des eigenen Rollenbewußtseins in der Erzvätergeneration, mythische Rollen (der Tammuz-Adonis-Osiris-Mythos, Joseph als Christus-Typus und als Hermes-Figur), die Rolle des Erwählten, Identitätsfindung als Bildungsprozeß – Felix Krull: das Spiel als Kategorie des Erzählens, Autobiographie als Hochstapelei, Künstlertum und Betrug, Felix als Erwählter und Narziß, Identität und Spiel, Felix Krull als Schelmenroman – Der utopische Gehalt des Joseph-Romans und des Felix Krull.