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'Frau' und 'Mann' im Althochdeutschen

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Birgit Kochskämper

Frau, Fräulein, Weib, Magd, Dirne... all diese Bezeichnungen für Frauen haben im Laufe der Sprachgeschichte eine deutliche Verminderung ihres Sozialprestiges erfahren. Bei den 'Mann'-Wörtern ist eine solch systematische Bedeutungsverschlechterung hingegen nicht zu verzeichnen. Sprachwissenschaftlich wird diese Asymmetrie durch eine stetige Benennungsverbesserung des weiblichen Geschlechts erklärt, die aus dem seit höfischer Zeit geltenden Galanteriegebot gegenüber Frauen resultiere. Die Analyse der Gebrauchskontexte althochdeutscher Geschlechtsbezeichnungen zeigt jedoch, daß die wortgeschichtliche Ungleichzeitigkeit bereits in den ältesten deutschen Schriftzeugnissen nachweisbar ist und Ungleichheiten markiert, die mit dem Begriff des «höflichen Sprachspiels» nicht zu erfassen sind.
Aus dem Inhalt: Sprachgeschichte und feministische Linguistik - Christliche Geschlechteranthropologie: egalitäre und hierarchische Konzepte - magad, thiorna, quena: Jungfräulichkeit, Sexualität und Ehe - frouwa, itis, hêrra: Prestige und Herrschaft von Frauen - wîb: Relationalität und Markiertheit des Geschlechts, christliche Hermeneutik und Geschlechterdifferenz - jungo, kneht, thegan: Jugend und Gefolgschaft - frô, hêrro, truhtîn, gomo: Herrschaft und Prestige von Männern - gomman: Der «männliche» Mann - man: Mann und Mensch, Mensch und Mann.