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Die Lebenswelt von Landwirten vor dem Hintergrund des möglichen Einsatzes von rekombinanten Wachstumshormonen rbST und rpST in der eigenen Tierhaltung

Eine empirische Untersuchung in Südniedersachsen

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Christof Morawitz

Der mögliche Einsatz von gentechnologisch gewonnenen Wachstumshormonen zur Steigerung der Leistung von Kühen und Schweinen trifft auf eine durch vielschichtige ökonomische, ökologische und soziale Probleme verunsicherte Landwirtschaft. Durch eine kritische und fordernde öffentliche Erwartungshaltung bedrängt, bedürfen die Landwirte und ihre Familien dringend Entscheidungskriterien und Orientierungswissen, um angemessen und verantwortlich auf diese neue Herausforderung reagieren zu können. Anhand einer Befragung von südniedersächsischen Landwirten erschließen sich dem Leser die zentralen Bestandteile einer bäuerlichen Lebenswelt: die betriebliche und familiäre Situation, das Verhältnis zu Nachbarn, Berufskollegen, zur dörflichen Gemeinschaft. Äußerungen zum Naturbezug, zum Verhältnis zu Tieren und zum eigenen Selbstverständnis runden die Darstellung ab. Vor dem Hintergrund ihrer Lebenswelt und anhand ihrer Wahrnehmungs- und Handlungsmuster im Hinblick auf den Einsatz von Wachstumshormonen in der Tierhaltung lassen sich vier Typen von Landwirten identifizieren: der Agressive, der Kreative, der Arrangeur und der Aussteiger. Mit Hilfe einer ethischen Reflexion über den Einsatz von Wachstumshormonen deuten sich Richtungskriterien an, mit denen eine grundlegende Veränderung im Verhältnis von Landwirtschaft, Gesellschaft und Politik möglich erscheint. Technischer Fortschritt auf dem Gebiet Biotechnologie kann allein weder Sinn stiften noch Wertmaßstäbe setzen, seine Ambivalenz muß vielmehr von allen Akteuren auch verantwortet werden.
Aus dem Inhalt: Konzept der Lebenswelt - Biotechnologie und die veränderte Qualität des Fortschritts - Das Konzept der Technikfolgenabschätzung - Gentechnologisch gewonnene Wachstumshormone und ihr Einsatz bei Tieren - Die Lebenswelt südniedersächsischer Landwirte - Ethik und die Frage nach Verantwortlichkeiten im Hinblick auf Tiere, Verbraucher, Umwelt und Politik - Wachstumshormone und die Lebenswelt der Landwirte im Spannungsverhältnis von öffentlicher Diskussion, eigenem Selbstverständnis und ethischen Prinzipien.