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Unzurechnungsfähigkeiten

Diskursivierungen unfreier Bewußtseinszustände seit dem 18. Jahrhundert

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Michael Niehaus and Hans-Walter Schmidt-Hannisa

Das Konzept Unzurechnungsfähigkeit ist ein fundamentales kulturelles Regulativ zur Bestimmung des Status von Subjekten. Seit dem 18. Jahrhundert definiert es sich nicht mehr nach Maßgabe des abstrakten naturrechtlichen Binarismus von Willensfreiheit oder -unfreiheit. In den anthropologischen Diskursen, in Erfahrungsseelenkunde, Kriminalpsychologie und nicht zuletzt in der Literatur wird statt dessen ein immer differenzierteres Spektrum unfreier Bewußtseinszustände diskutiert. Die hier versammelten Aufsätze rekonstruieren, teilweise ausgehend von spektakulären Fällen, exemplarische Felder solcher Unzurechnungsfähigkeiten in ihrem jeweiligen wissenschafts- und diskurstheoretischen Kontext.
Aus dem Inhalt: Michael Niehaus / Hans-Walter Schmidt-Hannisa: Einleitung - Peter Friedrich: Masse und Recht. Zur Geschichte strafrechtlicher Verantwortlichkeit bei Massendelikten - Hans-Walter Schmidt-Hannisa: Das eiserne Szepter des Schlafes. Über die Unzurechnungsfähigkeit von Schlaftrunkenen, Nachtwandlern und Träumern im 18. Jahrhundert - Michael Niehaus: Andere Zustände. Kindermörderinnen im ausgehenden 18. Jahrhundert und ihre Zurechnungsfähigkeit - Ylva Greve: Die Unzurechnungsfähigkeit in der «Criminalpsychologie» des 19. Jahrhunderts - Stefan Andriopoulos: Die Unzurechnungsfähigkeit somnambuler Medien: Der 'Roman' und das 'Schauspiel' des 'hypnotischen Verbrechens' (1885 - 1900) - Armin Schäfer: Mord im politischen Affekt. Zu Friedrich Schillers Die Räuber. Ein Schauspiel (Fünfter Akt. Zweyte Scene) - Pierre Mattern: Zur Genealogie des Fanatikers. Der Fall Sand - Rüdiger Campe: Johann Franz Woyzeck. Der Fall im Drama - Uwe Spörl: Die Entmündigung eines Autors: Oskar Panizza als unzurechnungsfähiges 'Genie' - Stefan Rieger: Imputare / Computare. Anmerkungen zum Fall Haarmann.