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Das fingierte Geschlecht

Inszenierungen des Weiblichen und Männlichen in den kulturellen Texten der Orìshà- und Vodún-Kulte am Golf von Benin

Lidwina Meyer

In den Vodún- und Orìshà-Kulten am Golf von Benin entspricht das biologische Geschlecht nicht immer dem sozialen (Gender) und schon gar nicht dem rituellen. Die Initianden, ob biologisch männlich oder weiblich, werden durch rituelle Praktiken symbolisch weiblich, zur vodúnsì - Frau der Gottheit. Demgegenüber gelten die Götter und Göttinnen (vodún) im rituellen Vollzug als männlich. Sie entpuppen sich jedoch bei detaillierter Lektüre ihrer Mythen, Riten und Altäre als geschlechtlich schwer zu fixieren. Die Konstruktion und Distribution der Merkmale des Weiblichen und Männlichen wird mit Hilfe der begrifflichen Instrumente kultureller Text, Intertextualität und Gender als Intertext nachvollzogen. Ein Modell der Inszenierung von Geschlecht in dieser Kulturregion wird entwickelt, welches nicht binären Zuschreibungen, sondern dem Gleiten zwischen und dem Überblenden von Merkmalen der Differenz verpflichtet ist.
Aus dem Inhalt: Gender als Teiltext der religiösen Dimension am Golf von Benin - Kleine Kosmologie des Gendertextes - Figurationen von Gender auf verschiedenen hierarchischen Ebenen des Orìshà-Vodún-Palimpsestes - Gender als Fingierung: die Masken des Geschlechts.