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Gefährdetes Gleichgewicht

Das Theater des Bernard-Marie Koltès

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Eva Freund

In seiner kurzen Lebenszeit hat Bernhard-Marie Koltès ein Werk geschaffen, das viele zu den herausragendsten dieses Jahrhunderts zählen. Sein Theater bewegt sich in den Zwischenräumen: Es ist politisch, ohne konkret zu werden, es ist realistisch und läßt doch Platz für das Irrationale und Geheimnisvolle, es schwankt zwischen Auflehnung und Fatalismus, bedient sich poetischer und brutaler Töne und ist tragisch und komisch zugleich. Engagiert und behutsam geht die Arbeit den Texten auf den Grund, die versuchen, neue Wege zu finden und den (be-)herrschenden Systemen zu entkommen. Roland Barthes' Ideen vom désir de neutre werden für das Verständnis eines Werkes nutzbar gemacht, das jene Momente ins Licht rückt, in denen die Gesetze der Dualität aufgehoben werden und die Dinge aus dem Gleichgewicht geraten.
Aus dem Inhalt: Personen in der Krise - Jenseits von Psychologie und Realismus - Identität durch Konfrontation - Dialektik der Anerkennung - Der Wandel der theatralischen Form - Die Kunst der Verschleierung - Ausflüge über die Gattungsgrenzen - Intertextualität und Montage (Beispiele aus dem Frühwerk) - Das Versagen der Sprache - Eine Poetik des Dazwischen.