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Sozialstrukturelle Cleavages bei Bundestagswahlen in Theorie und Empirie

Persistenz, Realignment oder Dealignment?

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Wolfgang Müller

Wähler-Partei-Koalitionen (Cleavages) sind in der neueren Wahlforschung umstritten. Zwar wird einerseits noch die Ansicht vertreten, sie wiesen Persistenz auf, andererseits wird jedoch betont, Koalitionen hätten sich gewandelt: Bindungen an Parteien seien heute schwächer als in den 50er und 60er Jahren. Es ist ferner umstritten, welche Ursachen für diese Entwicklung verantwortlich sind - zwei Ansätze werden in diesem Zusammenhang als Realignment bzw. Dealignment bezeichnet. Beide Fragen werden in der Arbeit durch Sekundäranalysen von Individualdaten am Beispiel der Bundesrepublik verfolgt. Methodisch ist dreierlei maßgeblich: die über das Wahlverhalten hinausgehende Untersuchung der abgeleiteten Parteiidentifikation, langfristige Zeitreihen und eine einheitliche Operationalisierung aller Merkmale. Ein langfristig angelegtes Design bringt signifikante Abschwächungen der Cleavages hervor, erklärbar mit Dealignment, und die Cleavage-Theorie verliert somit an Erklärungskraft.
Aus dem Inhalt: Theoretischer Teil: Wahlen, Wahlverhalten, Wahlforschung; Vorläufer der modernen Wahlforschung (Simmel, Siegfried, Goguel, Heberle); Begründung der Cleavage-Theorie (Lazarsfeld et al., Lipset, Rokkan); Frage nach der Stabilität sozialstruktureller Cleavages (Persistenz, Lockerung); Frage nach den Ursachen für eine Lockerung sozialstruktureller Cleavages; Realignment (Inglehart, Hildebrandt, Dalton); Dealignment (Campbell et al., Downs) - Empirischer Teil: Methodik; Frage nach der Stabilität sozialstruktureller Cleavages; Cleavages nach Wahlentscheidung; Kontroverse zwischen Infas und der Forschungsgruppe Wahlen; Cleavages nach abgeleiteter Parteiidentifikation; Frage nach den Ursachen für eine Lockerung sozialstruktureller Cleavages; Realignment (Werttypen und Wahlentscheidung); Dealignment (Zeitpunkt der Wahlentscheidung, Wechselwahl, Stimmensplitting) - Ausblick: Cleavages nach Wahlentscheidung und Generation.