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Erlebte Rede bei Andrej Platonov

Von «V zvezdnoj pustyne» bis «Čevengur»

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Robert Hodel

Obwohl die sowjetische Zensur den Druck von Platonovs Werken bereits Ende der Zwanziger Jahre systematisch zu blockieren begann, unternahm G. Lukács noch 1937 einen Versuch, das Gesamtwerk des Schriftstellers zu legitimieren. Die ambivalente Rezeptionslage zwischen sozialistischer Utopie und Realsatire ist bis heute geblieben. Auch die Monographie strebt hier keine Klärung an. Sie wendet sich vielmehr den narrativen Bedingungen dieser Ambivalenz unter dem Aspekt der Auflösung erlebter Rede zu. In einer werkgenetischen Analyse von den frühen Erzählungen bis zum Romanwerk Čevengur wird nachgewiesen, wie sich allmählich jener Ton herausbildet, der eine Differenzierung der Positionen Autor, Erzähler und Person unmöglich macht. Diese Vereinheitlichung aller Instanzen wird als Versuch verstanden, die utopische Gesellschaft in der Sprache zu realisieren – in einer Sprache allerdings, die der zentralistisch verordneten Norm diametral entgegenstand.
Aus dem Inhalt: Erzählhaltung in Publizistik und Prosatexten der frühen 20er Jahre – Die sprachliche Anlehnung am Sozialistischen Realismus in den Epiphaner Schleusen – Erlebte Rede und das Verhältnis von implizitem Autor, Erzähler und Person in Čevengur – Zur Genese des Platonovschen Stils in Manuskripten und Varianten – Vom Berg (frühe Gedichte) über die Steppe (Čevengur) in die Baugrube – «U-glossie» als abfällige sprachliche Realisierung der bolschewistischen Utopie – Dezentrales Zentrum: Kopenkins Rosa Luxemburg und Mandel’štams Voronežer Gedichte
Teil I der Habilitationsschrift erscheint als Band Nr. 22 in dieser Reihe.