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«Ein System und keine Gnade»

Zum Zusammenhang von Gottesbild, Sündenverständnis und Geschlechterverhältnis in ausgewählten Texten Marieluise Fleißers

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Anne Waterstraat

Marieluise Fleißer (1901-1974) wurde in den 20er Jahren bekannt als Schriftstellerin einer «unerlösten Gesellschaft» und ausbeuterischer Geschlechterbeziehungen. Mindestens ebenso auffällig, von der Forschung jedoch vernachlässigt, ist die Dominanz christlicher Symbolik in fast allen ihren Texten – sei es in ironischer Brechung, affirmativer Aneignung oder säkularisierender Übertragung auf das Geschlechterverhältnis.
Anne Waterstraat untersucht diese Zusammenhänge in detaillierten Textanalysen und verortet sie in ihren jeweiligen kulturgeschichtlichen und theologischen Kontexten. Unter Rückgriff auf Erstfassungen und unveröffentlichte Entwürfe gilt ihre Aufmerksamkeit besonders den bisher wenig beachteten Schriften nach 1932. Dabei vermeidet sie eine Harmonisierung des Textbefundes und macht die – ästhetisch vermittelte – Spannung deutlich, die sich aus einer Kritik der patriarchalen Gesellschaft bei gleichzeitiger Verhaftung in deren symbolischer Ordnung ergibt.
Aus dem Inhalt: Religions- und Gesellschaftskritik im Frühwerk Marieluise Fleißers – Übertragung patriarchal-religiöser Strukturen und Symbolik auf das Geschlechterverhältnis in frühen Prosatexten – Deterministische Anthropologie im Schreiben Fleißers von 1932-1946 – Schuld und Rechtfertigung in autobiographischen Texten des Spätwerkes.