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Multipersonalität als Poetik

Umberto Eco: "Il nome della rosa</I>, João Ubaldo Ribeiro: "Viva o Povo Brasileiro</I>, José Saramago: "O Evangelho segundo Jesus Cristo</I>

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Steven Uhly

Die Arbeit wirft anhand von drei zeitgenössischen Romanen ein neues Licht auf das Zusammenspiel von Autor und Text. Der Autor wird im Spiegel seiner Romangestalten betrachtet. Auf beiden Seiten läßt sich dadurch eine Fragmentierung scheinbarer Einheit sichtbar machen, die zudem mit gegenwärtigen Theorien über die innere Vielheit des Subjekts korreliert. Ein Roman ist ein soziales System, das sich aus Autor, Leser und ihren Treffpunkten, den Romangestalten, zusammensetzt. Dahinter steht auch ein ethischer Ansatz: In den untersuchten Romanen wird Gesellschaft in das Individuum verlagert und so deutlich gemacht, daß soziale Veränderung erst beginnt, wenn das einzelne in seiner Vielheit akzeptiert wird. Als Exemplum dient der Autor selbst.
Aus dem Inhalt: Selbsterfindung und Heteronymie als Begriffe, mit denen eine multipersonale Poetik beschrieben werden kann – Delegitimation als Begriff, der die ethische Dimension dieser Poetik abdeckt – Umberto Ecos Il nome della rosa: der vielfache Kampf um Interpretationsgewalt über die Welt - der Roman als Repräsentation des sujet fractal – Ubaldo Ribeiros Viva o Povo Brasileiro: die Unterwanderung europäischer Erzähltraditionen durch afro-brasilianische Erzählrituale - der Autor als feiticeiro, der Roman als Überwindung von Schweigen und Verschweigen – José Saramagos O Evangelho segundo Jesus Cristo: das Christentum als Ergebnis gescheiterter Heteronymisierung des einzelnen - der Autor als Evangelist und als Jesus Christus in Personalunion – Zusammenfassung und theoretische Weiterführung der Untersuchungsergebnisse.