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Sakralisierung unerlöster Subjektivität

Zur Problemgeschichte des zivilisations- und kulturkritischen Expressionismus

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Frank Krause

Die ältere Forschung hatte im literarischen Expressionismus eine messianische Bewegung erblickt, die entfremdete Subjektivität mit Hilfe sakralen Sinns zu erneuern sucht. Der problemgeschichtliche Expressionismusbegriff hat demgegenüber seit Mitte der siebziger Jahre betont, daß die skeptischen Positionen der Epoche dem umfassenden Entzug metaphysischen Sinns Ausdruck verleihen und – im Unterschied zur messianischen Epochenrichtung – der Sakralisierung des Ichs den Boden entziehen. Die Studie zeigt indes, daß auch die skeptische Richtung auf die Heiligung des Ichs nicht verzichten kann, sondern teils auf Konzepte heiliger Erlösung zurückgreift, teils den Ausdruck unerlöster Subjektivität als sakralen Akt im Machtbereich einer unbestimmbaren metaphysischen Substanz deutet.
Aus dem Inhalt: Zur Definitionsproblematik des Expressionismusbegriffs – Zum Stand der problemgeschichtlichen Expressionismusforschung – Zur Kritik und zum Einfluß des problemgeschichtlichen Expressionismusbegriffs – Thesen zur Sakralisierung unerlöster Subjektivität (u.a. zu Goering, zur Modernität des Expressionismus, zur geistes- und sozialgeschichtlichen Forschung) – Formen der Sakralisierung unerlöster Subjektivität im Expressionismus (van Hoddis, Lichtenstein, Wolfenstein, Stramm, Heym, Benn, Kafka, Kaiser, Sternheim, Döblin, Einstein und Nowak – Sakralisierte Fiktionen unerlöster Subjektivität (Kaiser: Der gerettete Alkibiades; Trakl: Geistliches Lied) – Offene Fragen (u.a. zu Toller und zu Nietzsche).