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Das Kerkring-Triptychon von Jacob van Utrecht oder Die bürgerliche Säkularisierung mittelalterlicher Bildräume

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Joanna Barck

Das Phänomen, daß niederländische Maler von 1518-1520 in Lübeck einen neuen Absatzmarkt für ihre Produkte fanden, steht am Ausgangspunkt der Untersuchung. Diese Auftragssituation spiegelt die gesellschaftspolitischen Veränderungen und den Funktionswandel spätmittelalterlicher Altäre. Im Dienst einer Nobilitierung des Bürgerlichen modifiziert das Kerkring-Triptychon ein tradiertes Andachtsbildkonzept – eine Maria lactans mit einer auf die Passion verweisenden Symbolik. Jacob van Utrecht zählt zu den weniger prominenten Künstlern. Daß potente Auftraggeber sich dieser Künstler bedienten, zieht die kritische Frage nach der Haltbarkeit von Normkonzepten nach sich. Die Studie bietet eine Fülle von Argumenten, sich verstärkt den Objekten «zweiter Garde» zuzuwenden, um den Blick auf die ganze Geschichte der Kunst im Spätmittelalter zu gewinnen.
Aus dem Inhalt: Eine Altarstiftung und ihre Provenienz: Die Darstellung einer Maria lactans im problematischen Kontext des Andachtsbildes – Die Lübecker Ratsherrenfamilie Kerkring – Der Altar als Ausdruck einer bürgerlichen Nobilitierung – Ein Antwerpener Manierist im spätmittelalterlichen Lübeck – Der Maler als Unternehmer, die Malerei als Geschäft – Der Kunstsammler F. W. Brederlo und die Frage nach dem Kunstraub – Das Problem der Autorschaft und der «höchsten Kunst» im Hinblick auf die manieristische Kunst der Neuzeit.