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Prosa der Poeten

Erinnerung und poetische Faktur in Texten Marina Cvetaevas und ihrer Zeitgenossen

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Mark Andreas Hamprecht

Die Demarkationslinien zwischen Gattungen und Genres werden in der literarischen Moderne vielfältig überwunden. Als Beispiel kann die Prosa der Poeten dienen – das Prosawerk von Literaten, deren angestammte Domäne zunächst die Verskunst war. Die Prosa der Poeten ist häufig zugleich poetische Prosa – der lineare und sujetorientierte Bedeutungsaufbau ist geschwächt, er wird durch genuin poetische Verfahren, durch alineare Entsprechungen weitgehend substituiert. Diese Studie stellt die Prosa der Dichterin Marina Cvetaeva in den Mittelpunkt und untersucht eingehend deren Interferenzen mit dem Verswerk. Dabei werden verschiedene Ebenen der Verfahren durchschritten, von phonischen Äquivalenzen bis hin zu antithetischen Makrostrukturen der Sinnkonstitution. Ebenso wird die spezifische Gedächtnispoetik, die sich in dieser Spielart der Prosa kundtut, und die besondere Rolle des mythischen Denkens exemplarisch dargelegt. Die Arbeit bezieht darüber hinaus verwandte Werke zeitgenössischer Autoren ein (Belyj, Remizov, Mandel’štam, G. Ivanov) und konstrastiert sie mit der poetischen Prosa Cvetaevas.
Aus dem Inhalt: Poesie und Prosa: Binarismus oder Synthese – Lyrismus und Lebenskunst – Poetische Memoiren: Aleksej Remizov und Andrej Belyj – Mythische Epopöe und neue Prosa – Verfahren der Poetizität in der Prosa Marina Cvetaevas – Ein gefangener Geist: Der Dichter als antithetischer Mythos – Zur Anti-Biographie Natal’ja Gončarova – Leere und Potentialität: Cvetaeva und die Postmoderne – Polemik um die Poetik der Erinnerung – Zur Erinnerungsprosa Georgij Ivanovs – Dichotomien bei Mandel’štam, Benjamin und Cvetaeva.