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Rilke als Leser

Untersuchungen zum Rezeptionsverhalten- Ein Beitrag zur Zeitbegegnung des Dichters während des ersten Weltkrieges

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Tina Simon

Rainer Maria Rilke hat nicht nur ein großes dichterisches Werk hinterlassen, er war auch intensiver Leser. Das Buch geht der Möglichkeit der mittelbaren Rezeption von Welt durch Kunst über Literatur nach. Es stellt einen Leser vor, für den der Rezeptionsgegenstand Buch als gestalteter Weltgegenstand zentrale Bedeutung hat. Die über 1000 in Rilkes Briefen ermittelten Lektüren im Zeitraum 1912-1920 belegen den herausragenden Stellenwert des Lesens.
Das entwickelte Modell des Leserprofils schafft eine Verbindung vom allgemeinen Lese- und Aneignungsakt zum speziellen und immer einmaligen des Künstlers. Es kann die methodische und thematische Spezifik des Leseverhaltens eines Individuallesers und die Funktion einzelner Lektüren zeigen.
Für Rilke heißt das zuerst: Lesen ist Lebenskontinuität und Bücher sind Erfahrungsmedium. Die brieflichen Erörterungen ermöglichen dazu Einblicke in seine Prädisposition zu einzelnen Lektürebereichen, so zu Zeitgeschichte, zu Fremd-Biographischem, Philosophie und der Position der Frau als Künstlerin, und sie zeigen ein ambivalentes Verhältnis zur zeitgenössischen Kunst, zu Naturwissenschaft und Massenmedien. Sie werden damit zu Zeugnissen seines Bildes von seiner Zeit. Die erstmals zusammengetragenen und ausgewerteten Manuskriptgutachten, die Rilke als Kritiker und Lektor verfaßte, machen seine Bewertungskategorien für Literatur einsehbar.
Aus dem Inhalt: Das Leseverhalten des Künstlers – Literarische Rezeption und Produktion 1912-1920 – Der allgemeine Bezug zur Lebensgegenwart während des ersten Weltkrieges – Rilkes Chandos-Krise – Rezeptionsbeziehungen mit zeitgenössischen Künstlern – Rilkes Lektüren aus dem 18. und 19. Jahrhundert – Lektüren theoretischer und wissenschaftlicher Werke – Rilke als Zeitungsleser – Schreibende Frauen und Künstlerinnen – Rilkes Leserprofil 1912-1920.