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Selbstpoetik 1800-2000

Ich-Identität als literarisches Zeichenrecycling

Ralph Köhnen

Die Idee des «invent yourself», der Ich-Konstruktion mit künstlerischen Mitteln hat bei aller Aktualität auch eine lange Tradition, die bis in die griechische Antike zurückweist. Im 18. Jahrhundert bahnt sich eine Entwicklung an, in der das Ich als ein ästhetisch geformtes begriffen wird: Anthropologie und Ästhetik geben zunächst dem privilegierten Autor die Möglichkeit zum Selbstentwurf, mit der Romantik wird dann das Angebot an alle anderen ausgeweitet. Knapp 20 Beispiele von Herder über Nietzsche bis zu Autoren der Gegenwart sollen zeigen, wie sich solche Technologien des Selbst in Literatur, bildender Kunst und Philosophie entwickelt haben, wenn dabei das Ich auf kulturelle Stereotypen oder Ikonografien greift und diese variiert, also ein Zeichenrecycling in der Literatur betreibt.
Der Herausgeber: Ralph Köhnen, geboren 1961. Studium der Germanistik, Anglistik und Kunstgeschichte in Bochum, Berlin und München; Promotion 1994 mit einer Arbeit über Rilke und Cézanne. Seit 1999 Akademischer Rat am Germanistischen Institut der Universität Bochum.